Wir haben mehrere Berichte zur Kramerspitze (1985m) in den Ammergauer Alpen:

Zurück zum Text



Wir haben mehrere Berichte zur Zugspitze (2962m) im Wetterstein:

Zurück zum Text



Wir haben mehrere Berichte zum Wank (1780m) in den Bayerischen Voralpen:

Zurück zum Text

Ein Sonnenaufgang am Frieder im Ammergebirge.

Ein frisch-feuriges Biwak-Abenteuer

Auf Friederspitz und Frieder


23./24. Juni 2020 • Autor: bra.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung des Friederspitz und des Frieder in den Ammergauer Alpen. Vom Parkplatz an der Ochsenhütte steigen wir über die Frieder-Alm zunächst zum Gipfel des Friederspitz empor, wo wir von unserem Nachtlager die Grainauer Johannifeuer beobachten. Am nächsten Morgen legen wir noch schnell eine Stippvisite beim Frieder ein, ehe es über dieselbe Route wieder talwärts geht.

Schwierigkeit: T3GPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 5

Ein Biwak zur Johanni-Nacht

Recht regnerisch-wechselhaftes Wetter hat sich im Juni 2020 in den Alpen breitgemacht und seit geraumer Zeit jegliche Wandertour verhindert. Jedoch ergibt sich gerade ums Johannifest herum ein zweitägiges Schönwetterfenster, und nachdem mich ein Outdoor-Clan Kollege auf die jährlichen Johannifeuer im Wettersteingebirge aufmerksam gemacht hat, versuche ich ein paar Kumpanen für die Tour zu gewinnen. Ein befreundetes Pärchen hat Gott sei Dank spontan Zeit, und so sitzen wir bald im Auto auf dem Weg nach Süden.

Die Feuer sollen — trotz Corona — vom 23. auf den 24. Juni stattfinden. Wir haben deshalb den Frieder (2053m) und den Friederspitz (2049m) im Ammergebirge für unsere Wanderung und unsere Übernachtung im »1000-Sterne-Hotel« auserkoren. Wir fahren erst gegen 13 Uhr in Regensburg los, um dem Verkehr auszukommen und trotzdem noch rechtzeitig auf dem Gipfel zu sein.

An der Ochsenhütte

Los geht es vom Wanderparkplatz an der Ochsenhütte (805m) zwischen Grainau und Griesen. Das Wetter ist mit um die 20 Grad relativ kühl für Juni. Jedoch ist es sonnig und dadurch ausreichend warm.

Da ich Probleme mit meinem Rücken habe und ein weiteres Wandermitglied eine Fußverletzung hat, stellen wir uns auf einen schweren Aufstieg ein. Immerhin müssen wir über 1200 Höhenmeter zurücklegen. Unsere Rucksäcke sind mit Schlafsack, Isomatte, Kamera, und Reisestativ durchaus stattlich beladen und machen den Aufstieg nochmals schwerer. Bevor wir aufbrechen, gönnen wir uns deshalb noch ein paar Radler, von denen wir uns heilende Wirkungen versprechen.

Zähe Forststraßen und gefällige Waldwege

Zunächst geht es durch ein Gatter hindurch und sehr lange an einer Forststraße — dem Elmaustraß’l (Wanderweg #254) — entlang. Als Entschädigung haben wir immer einen schönen Blick auf die Zugspitze (2962m) und kommen zu einem schönen, kleinen Bergbach: den Schwarzenbach. Wir lassen die Abzweigung zum Friedergries links liegen, passieren einen kleinen, klaren See, und kommen schon bald an einem weiteren Gatter vorbei, dessen Sinn und Zweck uns erst beim Abstieg klar werden wird.

Ein kleiner See unterhalb des Friederspitz im Ammergebirge.

Der Weg führt uns an einem kleinen, malerischen See vorbei.

Nach einer tatsächlichen und gefühlten Ewigkeit erreichen wir endlich die Abzweigung zum Friederspitz (2049m). Ein weißes Schild, zirka 50 Meter von der Forststraße entfernt, lotst uns hier zum Wanderweg #257. Ein gelbes Wanderschild an der Forststraße führt den Frieder (2053m) ebenso auf, jedoch ist dieser nur aus der anderen Richtung zu lesen.

Zunächst geht es einen kleinen Geröllweg hinauf, der sich aber schon bald in einen schmalen, steinigen Pfad verwandelt. Das Unterholz wird jetzt immer dichter. Es folgt eine typische Waldwanderung, langsam nach oben, bis wir aus dem Wald heraustreten und links das Zugspitzmassiv ausmachen können. Nur wenig später gelangen wir an die Begrenzung einer Schafweide. Dann sehen wir sie endlich im Sonnenlicht glitzern: die rustikale Frieder-Alm (1645m)! Zwei Drittel des Aufstiegs sind mittlerweile geschafft!

Die Frieder-Alm am Friederspitz im Ammergebirge.

Bei der einsamen Frieder-Alm gönnen wir uns eine Verschnaufpause.

Tierische Begegnungen

Nach einer kurzen Pause bei der Hütte — unsere Rücken und Beine schmerzen bereits ob der zurückgelegten Strecke — geht es weiter. Wir überqueren die Schafweide und können nun einen ersten Blick auf den Friederspitz (2049m) werfen, der uns im Licht der untergehenden Sonne zuwinkt. Am Ende der Wiese angekommen, machen wir die Schafherde am höchsten Punkt der Weide aus. Sie starren uns scharf an, als wir ihnen näherkommen. Insbesondere die schwarzen Schafe, mit ihrem durchdringenden Blicken, lassen uns die Haare zu Berge stehen. Wir schließen das Tor zur Weide und machen uns also schnell vom Acker.

Ein paar Schafe auf der Frieder-Alm am Friederspitz im Ammergebirge.

Unter den argwöhnischen Blicken einiger Schafe ziehen wir weiter.

Nachdem wir ein paar Bänder aus Latschen und kleinen Bäumen durchquert haben, zeigt uns ein kleines Schild den Weg nach oben — der Friederspitz (2049m) ist mittlerweile aber eh gut zu sehen. Eine Gämse beobachtet uns misstrauisch vom Gipfel aus. Hoffentlich sucht diese bald das Weite und hat nicht auch einen so durchdringenden Blick wie die Schafe!

Wir queren schon bald in die Südflanke, wobei die Steigung immer stärker anzieht. Mein Rücken hat sich mittlerweile an den schweren Rucksack gewöhnt, und auch meine Mitstreiter fühlen sich zwar müde, aber ausreichend kräftig.

Feierabend am Friederspitz

Friederspitz
LandDeutschland
GebirgeAmmergauer Alpen
KammKreuzspitzgruppe
Höhe2049 m
Koordinaten47°31′02″N, 10°57′32″E

Kurz bevor wir oben ankommen, treffen wir unseren ersten Wanderer, der gerade ins Tal hinabsteigt. Er wünscht uns einen guten Gipfelaufenthalt. Als wir die letzten Meter der grün begrasten Südflanke hinaufsteigen, ist das Kreuz des Friederspitz (2049m) bereits zu sehen. Dann ist es geschafft: Wir stehen auf dem in saftig grünes Gras gehüllten Gipfel!

Das Gipfelkreuz des Friederspitz im Ammergebirge.

Unser Tagesziel, der Gipfel des Friederspitz, ist erreicht!

Vor uns ist der Friedergrat und der Gipfel des Frieder (2053m) zu sehen, den wir morgen besteigen wollen. Hinter uns ist das Wetterstein mit der Zugspitze (2962m) zu sehen. Mittlerweile ist es insbesondere über den Gipfeln stark bewölkt, so dass die Bergstation der Zugspitze nur manchmal aus den Wolken hervorlugt. Die Berge werfen bereits lange Schatten aufgrund der tiefstehenden Sonne. Ich stelle meine Kamera auf und mache meine ersten Timelapse-Aufnahmen. Da sich der Sonnenuntergang bald ankündigt und der Wind frischer wird, ziehen wir uns um und bereiten uns auf die Nacht vor. Johannifeuer sind leider noch keine zu sehen.

Der Blick vom Friederspitz auf den Frieder im Norden.

Im Norden zeigt sich uns der grün-graue Gipfel des Frieder.

Wir essen bei traumhafter Aussicht gemütlich zu Abend — Gurken, Möhren und Kirschen versüßen uns die Brotzeit — und trinken ein Bier. Als die Sonne hinter dem Horizont versinkt, klaren die Wolken auf und die ersten Sterne funkeln. Leider sind immer noch keine Johannifeuer auszumachen. Haben wir uns vielleicht getäuscht, und die Feuer finden doch nicht statt?

Ein Sonnenuntergang am Friederspitz im Ammergebirge.

Zufrieden beobachten wir, wie die Sonne am Horizont versinkt.

Es werde Licht

Bald können wir jedoch ein paar Explosionen vernehmen, und dann tauchen sie langsam auf: Auf dem gesamten Wettersteinkamm, auf dem Kramer (1985m), dem Hohen Ziegspitz (1865m), und dem Wank (1780m) fangen die Feuer an zu brennen.

Der Blick vom Friederspitz auf die Johannifeuer rund um Garmisch-Partenkirchen.

Nach und nach erleuchten die Johannifeuer die Gipfel im Umland.

Während vor uns die Feuer immer heller leuchten — in verschiedenen Formen, wie einem Herzen und mehreren Kreuzen — nimmt die Dämmerung hinter uns eine schöne rötlich-gelbe Farbe an. Wir trinken unser Bier und essen unseren Vorrat an Gemüse auf. Was für ein Gefühl von Freiheit! Das fehlte mir!

Meine Freunde kriechen mit der einbrechenden Dunkelheit und der aufkommenden Kälte in ihre Schlafsäcke zurück. Für mich fängt nun jedoch die Nacht erst an: Ich fröne meiner Fotografie-Passion und versuche Timelapse-Aufnahmen und Fotos vom Sternenfirmament zu machen. Da der Mond abnehmend ist und die Mondsichel gerade untergeht, sind die Sterne gut zu sehen. Ebenso erkenne ich mittlerweile die Milchstraße, die hinter dem Wetterstein und den brennenden Feuern aufgeht. Leider stellt sich bald heraus, dass es für eine Timelapse zu feucht ist. Die Linse läuft alle 30 Sekunden an, Zeitrafferaufnahmen sind somit nicht möglich. Jedoch gelingt es mir trotzdem, einige sehr gute Fotos von der Milchstraße, dem Sternenhimmel, den feurigen Bergen, und dem Gipfelkreuz des Friederspitz (2049m) zu machen.

Der Blick vom Friederspitz auf die Milchstraße und die Johannifeuer im Wetterstein.

Über den brennenden Kämmen des Wettersteins steigt die Milchstraße empor.

Warten auf den Morgen

Danach ziehe ich mich ebenfalls in den Schlafsack zurück und genieße das Schauspiel über mir. In den Bergen ist der Sternenhimmel wie immer unbeschreiblich: Es glitzert über mir, und regelmäßig sind Sternschnuppen zu sehen. Die frische Luft und die abklingenden Johannifeuer geben dem Ganzen einen besonderen Reiz.

Einziger Wermutstropfen: die Kälte. Es weht ein zwar leichter, aber trotzdem bemerkbarer, kalter Wind, der die nächsten Stunden zur Geduldsprobe werden lässt. Wir schlafen zwar ein wenig, jedoch sicherlich nicht mehr als zwei Stunden insgesamt. Unsere lose Zeltplane schützt zwar etwas vor dem Wind, die Kälte kriecht jedoch trotzdem in unsere Schlafsäcke. Ich schaue regelmäßig auf die Uhr, wann es denn endlich vier Uhr wird. Dann plane ich nämlich aufzustehen und im Lichte der Morgendämmerung den Frieder (2053m) über den Grat zu besteigen.

Bildergalerie: Friederspitz & Frieder

Als es endlich so weit ist, springe ich auf, schnalle mir die Stirnlampe um, und verabschiede mich von meinen Kumpanen, die mir verschlafen viel Erfolg und ein langes Leben wünschen. Ich gehe zunächst nach Norden und steige über den Grat zum Sattel ab, wobei der Weg leicht zu finden ist, jedoch aufgrund der Feuchtigkeit hohe Konzentration erfordert. Die Gratwanderung ist einfach, und die anfangende Dämmerung erlaubt mir einen wunderbaren Blick zurück auf den Friederspitz (2049m), dessen Gipfelaufbau jetzt gut zu sehen ist.

Der Blick vom Friederspitz auf den Frieder im Morgengrauen.

Im Strahl meiner Stirnlampe wende ich mich dem Gipfel des Frieder zu.

Morgenstimmung

Frieder
LandDeutschland
GebirgeAmmergauer Alpen
KammKreuzspitzgruppe
Höhe2053 m
Koordinaten47°31′20″N, 10°57′36″E

Dann geht es die letzten Meter hinauf zum felsigen Gipfel des Frieder (2053m), auf dem ein kleines Gipfelkreuz thront. Ich mache ein paar Fotos, genieße die Aussicht auf das Voralpenland und den Starnberger See, dessen Oberfläche in der Morgendämmerung leuchtet. Dann trete ich den Rückweg an.

Morgengrauen am Frieder im Ammergebirge.

Im Morgengrauen erreiche ich den Gipfel des Frieder.

Als ich wieder am Friederspitz (2049m) ankomme, stelle ich meine Kamera für eine Sonnenaufgangs-Timelapse auf. Meine Freunde sind mittlerweile ebenfalls aus dem Tief(kühl)schlaf erwacht, und nun frühstücken wir ein wenig.

Der Sonnenaufgang ist der Wahnsinn! Zunächst färben sich die Wolken über dem Horizont rot, dann kommt die rote Sonne hinter dem Horizont hervor, die nach einer Weile den mit Tau übersäten, grasigen Gipfel in ein warmes Licht taucht. Traumhaft!

Ein Sonnenaufgang am Friederspitz im Ammergebirge.

Ein malerischer Sonnenaufgang leitet den neuen Tag ein.

Der Abschied

Nachdem wir dieses Naturschauspiel genossen haben, machen wir uns an den Abstieg. Ein paar Gämsen und Schafe begrüßen uns gleich unter dem Gipfel. Dann geht es im Lichte der immer höher steigenden Sonne auf grünen, schön verschlungenen Pfaden wieder hinab, wobei wir einen wolkenlosen Himmel vorfinden, der uns regelmäßig einen traumhaften Ausblick auf den Zugspitzgipfel (2962m) gewährt.

Der Abstieg vom Friederspitz im Ammergebirge.

Nach dem Frühstück treten wir den Abstieg an.

Der Abstieg bis zur Forststraße ist angenehm und hält sich zeitlich im Rahmen. Danach kommt für uns jedoch der kräftezehrende Teil: Einer meiner Freunde hat Schmerzen in Knie und Hüfte, die Forststraße will nicht enden — wir sind über eineinhalb Stunden unterwegs und fragen uns, wie wir denn gestern diese Strecke bergauf zurückgelegt haben sollen — und dann treffen wir auch noch auf mehrere Kühe, die uns argwöhnisch bis zu einem Gatter begleiten und dabei gefährlich mit den Vorderbeinen in der Erde scharren…

Als wir endlich am Auto ankommen, gönnen wir uns erst einmal eine ausgedehnte Pause und stärken uns mit den restlichen Obst- und Gemüseresten. Dann fahren wir entspannt zurück nach Regensburg und lassen dort den Tag gemütlich im heimischen Garten ausklingen.

Die Ochsenhütte im Ammergebirge.

Über altbekannte Wege erreichen wir schließlich wieder die Ochsenhütte.

StationenDistanzDifferenzZeit
Parkplatz Ochsenhütte
→ Frieder-Alm +6,4 km845 m ↑ 0 m ↓+2h 45m
→ Friederspitz ✝ +1,7 km404 m ↑ 0 m ↓+1h 00m
→ Frieder ✝ +0,7 km 40 m ↑ 36 m ↓+0h 20m
→ Friederspitz ✝ +0,7 km 36 m ↑ 40 m ↓+0h 20m
→ Frieder-Alm +1,7 km 0 m ↑404 m ↓+1h 10m
→ Parkplatz Ochsenhütte +6,4 km 0 m ↑845 m ↓+2h 30m
Gesamt 17,6 km1325 m ↑1325 m ↓8h 05m