Wir haben mehrere Berichte zum Krottenkopf (2086m) in den Bayerischen Voralpen:

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Die West-Ost-Überschreitung

Über den Stopselzieher auf die Zugspitze


01./02. August 2016 • Autor: brm.


Übersicht

Dieser Tourenbericht beschreibt unseren Aufstieg auf die Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen im Wetterstein. Von der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald geht es über einfache Wanderwege bis zur Wiener-Neustädter-Hütte. Dort verbringen wir die Nacht. Am folgenden Morgen geht es über den Stopselzieher-Klettersteig weiter bis zum Gipfel der Zugspitze. Nach einer lange Pause steigen wir über das Zugspitzplatt, die Knorrhütte und das Gatterl wieder nach Ehrwald ab. Mit dem Bus geht es anschließend zurück zum Ausgangspunkt.

Schwierigkeit: T4, K1 (A/B)GPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 5

Der Aufstieg zur Wiener-Neustädter-Hütte

Gut gefüllt ist die Stube der Wiener-Neustädter Hütte (2213m) (hier unser Hüttentest), als wir den Raum des kleinen Haupthauses betreten. In unserem Rücken verströmt das Abendessen des Hüttenwirtes einen fantastischen Geruch. Zürcher Geschnetzeltes steht auf dem Speiseplan. Nachschub so viel man will.

Unser Hunger ist auch dementsprechend groß, schließlich ist es bereits drei Stunden her, dass wir von der kleinen Tiroler Gemeinde Ehrwald (994m) losgezogen sind. Ziel ist die Zugspitze (2962m), der höchste Berg Deutschlands. Unsere Route gilt als die schnellste von vier ausgeschilderten Anstiegswegen und führt von Westen über einen einfachen Klettersteig, genannt Stopselzieher, bis unterhalb des Gipfelaufbaus. An dessen oberem Ende vereint sich der Weg mit dem Aufstieg vom Zugspitzplatt und führt die letzten Meter zum Gipfel. Da wir die dennoch lange Tour nicht auf einen Tag gehen wollen, übernachten wir auf der Wiener-Neustädter-Hütte (2213m). Und so stehen wir nun am Eingang zur vollbesetzten Gaststube und schauen uns etwas unsicher um, wo sich noch zwei Plätze finden lassen.

Die Wiener-Neustädter-Hütte.

Unsere Unterkunft für die Nacht: Die Wiener-Neustädter-Hütte.

Schlussendlich quetschen wir uns zu einer größeren Wandergruppe an den Tisch, welche freundlich für uns Platz macht. Nachdem wir uns kurz bekannt gemacht haben, holen wir uns unsere Essensteller aus der Küche und genießen das sehr schmackhafte Gericht. Dabei unterhalten wir uns mit unseren Tischnachbarn über die Aufstiegsroute.

Der Aufstieg bis zur Hütte ist für geübte Wanderer kein Problem. Von der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn (1228m) geht es anfangs teils sehr steil, aber nie technisch anspruchsvoll nach oben. Nach Erreichen des Gamskar im Schatten der Westabbrüche des Zugspitzeck (2816m) führt der dann schmale Georg-Jäger-Steig in Serpentinen bis zur ehemaligen Mittelstation der Zugspitzbahn (2007m), die im Jahre 1991 dem Neubau der Bahn weichen musste. Von hier umrundet der weiterhin interessante, aber gut machbare Weg schlussendlich das markante Sonnenspitzl (2556m) und trifft im Österreichischen Schneekar recht plötzlich auf die urige Wiener-Neustädter-Hütte (2213m).

Der Aufstieg zur Wiener-Neustädter-Hütte.

Über den Georg-Jäger-Steig geht es für uns zur Wiener-Neustädter-Hütte.

Klettersteigausrüstung ist nicht nötig

»Habt’s ihr Klettersteigausrüstung dabei?«, werden wir von einem Teilnehmer der Wandergruppe gefragt. Wir verneinen wahrheitsgemäß und beruhigen die Gruppe damit, die sich in dieser Hinsicht unsicher war und ebenfalls ohne Klettersteigset unterwegs ist. Da der Klettersteig lediglich im Schwierigkeitsgrad A/B geführt wird, ist eine entsprechende Ausrüstung für den geübten Wanderer auch nicht nötig. Einzig auf die hohe Steinschlaggefahr im Schneekar – also dem Teilstück nach der Hütte – sowie im Klettersteig muss Acht gegeben werden. Für ungeübte Bergsteiger ist die Klettersteigausrüstung aber zu empfehlen.

Nach dem Essen verschwinden wir recht bald ins Nebengebäude zu unseren Schlafplätzen und betten uns zur wohlverdienten Ruhe.

Schwindelfreiheit ist Pflicht im Steig

Mit Abstand sind wir am nächsten Morgen die Ersten auf den Beinen. Die meisten Gäste wollen noch in der Hütte frühstücken, uns aber zieht es Richtung Klettersteig. Über das geröllige Kar und einige Schneefelder führt uns der Weg schnell Richtung Einstieg zum Stopselzieher. Dort angekommen genießen wir im ersten Licht des Tages unser Frühstück.

Der Stopselzieher ist neben dem Höllental einer von zwei klassischen Klettersteigen hinauf auf den Gipfel der Zugspitze (2962m). Wer vom Tal hinaufblickt auf die steil abfallenden Felswände hält es kaum für möglich, dass hier ein Weg für den Normalbergsteiger existieren kann. Und doch beinhaltet der Steig nur erschwerte Kraxelpassagen. Schwindelfreiheit ist natürlich trotzdem notwendig. Seinen Namen hat der Klettersteig übrigens von einer kaminartigen Rinne und einer kleinen Höhle direkt zu Beginn.

Diese Stelle ist auch gleichzeitig die Schlüsselstelle. Wir müssen beim Aufstieg durchaus vorsichtig sein und zahlreiche Eisentritte zu Hilfe nehmen. Wirklich gefährlich wird es aber nicht. Nach einer langen Leiter aus Eisentritten ist die schwierigste Stelle bereits geschafft. Von hier aus queren wir die Wand über gut begehbare Steinplatten. Anschließend müssen wir uns bei einer kaum notwendigen Seilversicherung nach oben arbeiten und dann über sehr viel loses Gestein bis zur Bergstation der alten Tiroler Zugspitzbahn (2805m) weitergehen. In diesem Abschnitt ist Vorsicht geboten, denn jeder Stein, der hier losgetreten wird, schlägt durch eine Felsrinne direkt im unteren Teil des Klettersteigs wieder auf und gefährdet eventuell nachfolgende Wanderer.

Mitten im Stopselzieher-Klettersteig hinauf zur Zugspitze.

Nur zu Beginn anspruchsvoll: Der Stopselzieher-Klettersteig.

An der aufgelassenen Bergstation machen wir unsere nächste längere Rast. Von hier ist das Gipfelplateau der Zugspitze (2962m) bereits perfekt zu erkennen. Sogar die alte Bahntrasse ist sehr gut nachzuvollziehen.

Nach der Rast machen wir uns auf, die letzten Meter zurückzulegen. Nach kurzer Zeit und mehreren Höhenmetern treffen wir auf den Aufstiegsweg vom Zugspitzplatt herauf. Endlich haben wir die Berge südlich der Zugspitze (2962m) vor uns. Wie immer durchschleicht uns ein erhebendes Gefühl. Hier oben ist es jedoch verdammt windig und so genießen wir den Moment nur kurz und beeilen uns mit dem letzten Abschnitt.

Eine Baustelle dominiert das Gipfelplateau

Am Gipfelplateau angekommen, ist es gerade einmal neun Uhr und alles ist menschenleer. Der Durchgang zum österreichischen Teil ist sogar noch geschlossen. Nur die Bauarbeiter, die die neue Eibsee Seilbahn aufbauen, sind bereits auf den Beinen. Von dem Projekt kann man halten, was man will, aber logistisch ist das ganze wirklich ein Meisterwerk. Kräne, zusätzliche Plattformen und eine Materialseilbahn, alles findet hier irgendwie Platz. Wer auf den Gipfel will, muss sogar einen kleinen Umweg um eine Plattform zurücklegen.

Der Gipfel der Zugspitze.

Das Ziel ist zum Greifen nah.

Zugspitze
GebirgeWetterstein
KammZugspitze und Plattumrahmung
Höhe2962 m
Dominanz25,8 km → Zwölferkogel
Koordinaten47°25′16″N, 10°59′07″E
KarteKompass 5: D3

Dennoch, für uns hat das natürlich Priorität und so stehen wir bald zum zweiten Mal in unserem Leben auf dem Gipfel des höchsten Berges Deutschlands und genießen den Blick: Vom Hochwanner (2744m) über den Schneefernerkopf (2875m) bis zur Alpspitze (2628m), es sind unzählige Gipfel von hier zu erkennen. Wie bereits beim ersten Mal verbringen wir viel Zeit unter dem goldenen Kreuz, auch weil kaum Menschen unterwegs sind. Einzig ein Wanderer ist noch am Gipfel, steigt aber bald ins Höllental hinab.

Der Rückweg führt über die Knorrhütte

Auch für uns ist irgendwann die Zeit gekommen, weiterzuziehen. Unser Rückweg soll über das Gatterl (2024m) erfolgen, einer Scharte zwischen Zugspitzplattumrandung und Wetterstein-Hauptkamm.

Schnell sind wir wieder zurück an der Abzweigung zum Stopselzieher. Von hier müssen wir über viele seilversicherte Stellen absteigen zum Zugspitzplatt. Erste Wanderer sind dort unten bereits zu erkennen, die in der Knorrhütte (2052m) übernachtet haben. Nach dem anstrengenden und schwer zu gehenden Kar hinab zum Platt, legen wir im Schatten des Schneefernerkopf (2875m) eine lange Rast ein.

Bildergalerie: Zugspitze: Über den Stopselzieher auf den Gipfel

Eigentlich ist das Gatterl (2024m) benannt nach der kurzen Kletterstelle, die sich auf Tiroler Seite direkt hinter der Grenze zwischen Deutschland und Österreich befindet. Mittlerweile ist der Name aber eher auf ein Weidegatter zurückzuführen, dass sich an der Grenzscharte direkt unterhalb des Unteren Gatterlkopf (2166m) befindet und die Nutztiere daran hindert, die Grenze zu übertreten.

Über das landschaftlich wenig sehenswerte Zugspitzplatt und die schön gelegene Knorrhütte erreichen wir das Gatterl (2024m) schließlich. Nach der folgenden kurzen Kraxelstelle, die nicht wirklich als solche bezeichnet werden kann, geht es auf leicht begehbaren Pfaden über das Federnjöchl (2045m) hinein ins Hochissental. Dort erreichen wir eine Forststraße, die uns zur Ehrwalder Alm (1500m) führt und von dort entlang der Ehrwalder Alm-Bahn bis hinab zum Bahn-Parkplatz nach Ehrwald (1100m). Von dort bringt uns ein Bus schließlich zurück zu unserem Ausgangspunkt, der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn.

StationenDistanzDifferenzZeit
Talst. Tiroler Zugspitzbahn
→ Wiener-Neustädter-Hütte +3,7 km 999 m ↑ 4 m ↓ +2h 55m
→ Zugspitze ✝ +1,4 km 749 m ↑ 0 m ↓ +2h 40m
→ Knorrhütte +4,1 km 0 m ↑ 910 m ↓ +2h 20m
→ Ehrwalder Alm +7,3 km 187 m ↑ 739 m ↓ +3h 00m
→ Talst. Ehrw. Alm-Bahn +2,7 km 0 m ↑ 400 m ↓ +0h 50m
Gesamt 19,2 km 1935 m ↑ 2053 m ↓ 11h 45m