Wir haben mehrere Berichte zur Seebergspitze (2085m) im Karwendel:

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Wir haben mehrere Berichte zur Seekarspitze (2053m) im Karwendel:

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Anspruchsvolle Kraxelei im Karwendel

Auf Montscheinspitze und Plumsjoch


13. August 2012 • Autor: brm.


Übersicht

Ausgangspunkt für die Tour auf die Montscheinspitze und das Plumsjoch im felsigen Karwendel ist ein Schotterparkplatz im Gerntal. Anschließend folgen wir dem Weg über den Schleimsattel auf die markante Montscheinspitze und genießen eine tolle Aussicht. Nach einem konzentrierten Abstieg geht es noch auf das Plumsjoch und auf eine Brotzeit in die Plumsjochhütte. Über eine steile Forsstraße wandern wir schließlich wieder zum Startpunkt.

Schwierigkeit: T4, UIAA IGPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 26

Wissenswertes

Der Name Montscheinspitze – fälschlicherweise auch mit Mondscheinspitze benannt – ist romanischen Ursprungs. ‘Montschein’ leitet sich vom Begriff ‘monticinu’ ab, was mit ‘Berglein’, im Sinne einer kleinen Bergweide, zu übersetzen ist. Mit Mondschein hat das Ganze also nichts zu tun. Der Berg erfordert eine hohe Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, alpine Erfahrung und ein gesundes Plus an Kondition. Dafür winkt oben ein prachtvoller Blick übers Karwendel bis hinüber zum Achensee. Doch der Reihe nach.

Zuerst die Forststraße

Die Anfahrt erfolgt über Pertisau in Richtung Karwendeltäler. An einer Mautstelle vorbei geht es hinein ins Pletzach- oder auch Gerntal. Hier läuft uns mitten auf der geteerten Straße die erste Kuh entgegen. Nach Straßenverkehrsordnung zwar brav auf der Gegenfahrbahn, aber dennoch ungewöhnlich.

Bei der Anfahrt kommt uns eine Kuh entgegen.

Knapp drei Kilometer hinter der Mautstelle erreichen wir rechterhand unseren Schotterparkplatz (1085m). Nach einer kurzen Vorbereitungsphase folgen wir der hier beginnenden Schotterstraße über ein breites Flussbett hoch zum Schleimsattel (1556m). Eine Stunde und endlose, fast ununterbrochen durch den Wald führende Serpentinen später ist dieser dann auch erreicht und die Zeit für die erste Pause da. Die Umgebung ist nahezu baumlos und Mauern durchziehen die umliegenden Weiden. Traumhaft!

Dann der Steig

Ab hier führt uns der Weg runter von der Forststraße und auf einem kleinen Steig Richtung Montscheinspitze (2106m). Der Weg ist steil, aber nicht schwer zu gehen. Nachdem wir den ersten Hügel erobert haben, erhebt sich vor uns der markante Gipfelaufbau der Montscheinspitze, der sehr viel Ähnlichkeit mit der Großen Klammspitze (1924m) aufweist. Von hier aus wird der Weg etwas flacher und wir finden Zeit, die Natur zu genießen. In der Ferne entdecken wir eine größere Herde Gämsen, die uns misstrauisch beobachtet, auf der anderen Seite winken die Seeberg- (2085m) und die Seekarspitze (2053m) zu uns herüber. Wir halten uns damit aber nicht lange auf, denn eine weitere Steigung wartet. Diese zwingt uns nochmal, an die Grenzen unserer Kondition zu gehen, doch eine Stunde nach dem Abmarsch vom Schleimsattel (1556m) stehen wir am Einstieg zur Montscheinspitze.

Ehrfürchtig blicken zur Montscheinspitze auf.

Zu guter Letzt die Felsen

Dieser wirkt erst mal abschreckend: Kurz nach dem Abstieg in die sogenannte Rinne geht es zunächst knapp 15 Meter enorm steil nach oben und der Einsatz der Hände wird notwendig (Achtung: Steinschlaggefahr). Wir meistern die Stelle problemlos und sind froh, dass es die wohl schwerste Stelle im Aufstieg war. Denn oben ist zwar – wie im Tal angeschrieben – sehr gute Trittsicherheit und auch Schwindelfreiheit gefragt, aber ein weiterer Einsatz der Hände nicht mehr nötig.

Bildergalerie: Montscheinspitze & Plumsjoch

Montscheinspitze
GebirgeKarwendel
KammVorkarwendel
Höhe2106 m
Dominanz3,7 km → Falzthurnjoch
Koordinaten47°27′58″N, 11°36′46″E
KarteKompass 26: G2

Über den schmalen und teilweise ausgesetzten Weg erreichen wir nach knapp drei Stunden schließlich den Gipfel und genießen die Aussicht. Sogar der Guffert (2195m) ist von hier zu sehen. Ein fantastischer Ausblick! Nach einer langen Pause wollen wir unsere Tour über einen Rundweg beenden und steigen in Richtung Plumsjoch (1920m) ab.

Abstieg zum Aufstieg

Der Abstieg ist ähnlich schwer wie der Aufstieg und verlangt einiges an Konzentration und Schwindelfreiheit. An manchen Stellen ist der Weg nur einen halben Meter breit, und ein falscher Schritt kann zum Absturz führen. Die Steinschlaggefahr ist nicht zu unterschätzen.

Schwindelfreiheit ist auf der Montscheinspitze unerlässlich.

Plumsjoch
GebirgeKarwendel
KammVorkarwendel
Höhe1920 m
Dominanz1,1 km → Montscheinspitze
Koordinaten47°27′24″N, 11°36′41″E
KarteKompass 26: G2

Erst nach einer Dreiviertelstunde lassen wir schließlich die markanten Felsen hinter uns – der Sattel zwischen Montscheinspitze (2106m) und Plumsjoch (1920m) ist erreicht. Auf einer Wiese neben uns halten zwei Steinböcke ein Mittagsschläfchen. Vom Sattel weg steigt der Weg bereits wieder leicht an Richtung Plumsjoch. Schwierig ist der Steig nicht, doch aufgrund der bereits langen Tour etwas anstrengend. Eine Stunde nach Abmarsch von der Montscheinspitze erreichen wir schließlich das Plumsjoch. Der etwas seltsam anmutende Name kommt übrigens aus dem Romanischen und leitet sich von ‘planum’ ab, was so viel wie ‘eben’ oder ‘Ebene’ bedeutet.

Die Plumsjochhütte

Nach einer kurzen Gipfelrast machen wir uns wieder auf den Weg und steuern die nahegelegene Plumsjochhütte (1630m) an. Der Abstieg ist nicht schwer, und nach einer knappen halben Stunde erreichen wir die Forststraße, und nach weiteren 15 Minuten stehen wir vor der urigen Hütte. Hier herrscht Selbstbedienung und mit einer Speckknödelsuppe und einem Getränk bewaffnet suchen wir uns einen Tisch auf der Terrasse, von welcher wir einen herrlichen Blick ins Karwendel genießen.

Eine urige Einkehrmöglichkeit: die Plumsjochhütte.

Nach dieser ausgiebigen Pause geht es nur noch die Forststraße hinab. Erholsam, denken wir. Doch weit gefehlt: Ein Schild weist darauf hin, dass selbst Mountainbiker hier bergab schieben sollten. Und bereits nach wenigen Schritten wird auch uns die enorme Steile dieser Forststraße bewusst. Selbst der Jeep des Wirtes überholt uns nur in Schrittgeschwindigkeit. 45 Minuten dauert die Qual, bis wir schließlich an der Gernalm (1166m) vorbei auf ebener Strecke Richtung Auto marschieren und die Heimreise antreten.

Fazit

Nur das Plumsjoch zu gehen, ist wohl etwas langweilig. Aber bei der von uns gegangenen Rundtour rundet das Plumsjoch das Ganze schön ab. Die Montscheinspitze ist ein anspruchsvoller und sehr abwechslungsreicher Gipfel. Von Beginn an steigert der Weg sich langsam über die Forststraße, den schmalen und steilen Steig bis hin zum Gipfelaufbau mit seinen Kletterabschnitten im ersten UIAA-Schwierigkeitsgrad. Oben erwartet einen ein sehenswerter Weitblick. Und das alles bei einer sehr geringen Besucherdichte. Das Plumsjoch dagegen ist nicht schwer und fordert die müden Beine nicht zu sehr. Und die Plumsjochhütte ist allemal einen Blick wert.

StationenDistanzDifferenzZeit
Parkplatz Gerntal
→ Schleimsattel +3,3 km477 m ↑6 m ↓+1h 10m
→ Montscheinspitze ✝ +2,3 km556 m ↑6 m ↓+2h 10m
→ Plumsjoch ✝ +1,2 km72 m ↑258 m ↓+1h 10m
→ Plumsjochhütte +1,5 km1 m ↑291 m ↓+0h 45m
→ Parkplatz Gerntal +4,8 km19 m ↑564 m ↓+0h 50m
Gesamt 13,1 km1125 m ↑1125 m ↓6h 05m