Wir haben mehrere Berichte zum Grouse Mountain (1231m) in den North Shore Mountains:

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Ein Wintermärchen über Vancouver

Der Snowshoe Grind zum Dam Mountain


16. Januar 2015 • Autor: red.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung des Dam Mountain in den kanadischen North Shore Mountains. Meine Winterwanderung beginnt am Peak Chalet des Grouse Mountain über den Dächern von North Vancouver. Von dort führt mich der gut präparierte Snowshoe-Grind in kurzer Zeit hinauf zum Gipfel des Dam Mountain. Nachdem ich den tollen Ausblick auf Vancouver und die Strait of Georgia genossen habe, kehre ich über denselben Weg wieder zurück zum geschäftigen Peak Chalet.

Schwierigkeit: WT2GPS-Route: Download

Die winterliche Alternative zum Grouse Grind

Der sogenannte Grouse Grind in den North Shore Mountains bei Vancouver ist nicht nur ein beliebtes Ziel von unzähligen Freizeitsportlern aus der nahen Umgebung, sondern hat durch seine extreme Steigung auch überregional eine große Bekanntheit erlangt. In den Wintermonaten jedoch ist dieser fordernde Wanderweg, der hinauf zum Grouse Mountain (1231m) führt, aufgrund von Starkregen und Schnee für die Öffentlichkeit gesperrt. Um den Einwohnern Vancouvers dennoch eine Möglichkeit zu geben, sich um diese Jahreszeit sportlich ins Zeug zu legen, wurde der Snowshoe Grind zum Dam Mountain (1371m) als Alternative ins Leben gerufen. Im Januar 2015 haben wir getestet, wie lohnenswert diese Schneeschuhtour ist.

Anfahrt, Auffahrt, Ausrüstung

Der Startpunkt des Snowshoe Grind befindet sich beim Peak Chalet (1127m) am Grouse Mountain (1231m) in den North Shore Mountains. Um dorthin zu gelangen, setze ich zunächst von Downtown Vancouver aus mit dem sogenannten Seabus zum Lonsdale Quay über. Dort wartet bereits der Bus #236 auf mich, der mich in etwa einer halben Stunde zur Talstation der Seilbahn (274m) am Grouse Mountain bringt. Obwohl es verlockend wäre, bereits hier den Aufstieg zu beginnen, ziehe ich es heute vor, die Seilbahn nach oben zu nehmen. Immerhin ist der normale Aufstiegsweg über den Grouse Grind aufgrund der widrigen Witterung im Winter gesperrt. Der alternative Aufstieg über den BCMC Trail ist zwar im Winter gelegentlich machbar, doch heute will ich es ruhiger angehen lassen und gehe daher auf Nummer sicher. Nachdem ich den stattlichen Preis von 41,95 Kanadischen Dollar für das obligatorische Alpine Experience Ticket (eine Art Tages-Skipass inklusive Seilbahnfahrten) gezahlt habe, fahre ich mit zahlreichen anderen Wintersportlern entspannt hinauf zum Peak Chalet. Dort befinden sich nicht nur zahlreiche Skipisten, Aussichtsplattformen und Restaurants, sondern auch ein Grizzlygehege, eine kleine Eislaufbahn und eine Arena, wo Holzfällershows aufgeführt werden. Doch ich wende mich zunächst an einen kleinen Stand nahe der Eislaufbahn, wo ich mir für 20,00 Kanadische Dollar ein paar Schneeschuhe miete.

Zahlreiche Attraktionen locken Groß und Klein auch im Winter zum Peak Chalet.

Auf dem Snowshoe Grind

An der Eislaufbahn beginne ich nun den Aufstieg zum Dam Mountain (1371m). Große, rote Schilder weisen mir den Weg zum Snowshoe Grind. Zunächst geht es über eine breite, hervorragend gespurte Forststraße nach Norden. Der Weg ist so gut zu begehen, dass man eigentlich keine Schneeschuhe bräuchte. Nach wenigen Minuten zeigt sich mir bereits der Gipfelaufbau des Grouse Mountain (1231m), auf dem majestätisch das Eye of the Wind, ein gigantisches Windrad, thront. Doch bevor ich den Gipfelaufbau erreiche, biegt der Weg leicht nach links ab und führt mich am Grouse Mountain vorbei. Während rechterhand eine Felswand den Pfad begrenzt, bricht im Westen immer wieder das blaue Schimmern des Pazifik durch die Bäume. Bis nach Vancouver Island kann man hier an heiteren Tagen sehen. Traumhaft! Nach einigen Minuten auf der breiten Forststraße macht der Weg erneut eine kleine Biegung nach links. Hier kann ich das Ziel der Wanderung bereits gut erkennen. Ich folge den großen, roten Wegweisern hinein in den Wald und passiere dabei auch zwei Abflussrohre. Nach einigen Wendungen lichtet sich der Wald schließlich kurzzeitig und offenbart eine tolle Rundumsicht. Im Süden lässt sich sogar Mount Baker (3286m) erkennen. Dem Weg in nördlicher Richtung folgend wende ich mich nun dem Schlussanstieg zu. Der Schnee ist rutschig und der Weg steil und mit Felsen durchsetzt. Mit der Anmut eines Bibers wuchte ich mich hier teilweise nach oben: langsam, unbeholfen und auf allen Vieren. Ein Königreich für Grödeln und Trekkingstöcke! Doch letztlich ist auch dieser Wegabschnitt relativ problemlos zu meistern.

Der Blick zurück auf das sogenannte Eye of the Wind mit Mount Baker im Hintergrund.

Der Höhepunkt der Wanderung

Dam Mountain
LandKanada
GebirgeCoast Mountains
KammNorth Shore Mountains
Höhe1371 m
Koordinaten49°23′39″N, 123°04′52″W

Nach 45 Minuten ist der verschneite Gipfel des Dam Mountain (1371m) schließlich erreicht. Auch wenn einige Bäume eine perfekte Rundumsicht verhindern, so lohnt es sich durchaus, hier die Blicke ein wenig schweifen zu lassen. Im Norden ragen die Gipfel des Goat Mountain (1401m) und des Crown Mountain (1504m) aus der Landschaft. Im Osten zeigen sich mir die dicht bewaldeten Hänge des Mount Seymour (1449m). Doch der schönste Ausblick bietet sich bei Weitem im Südwesten. Hier kann ich nämlich nicht nur das geschäftige Treiben rund um Vancouver und das Burrard Inlet beobachten, sondern auch weit über die Strait of Georgia hinweg bis zur gebirgigen Ostküste von Vancouver Island blicken. Während ich am Gipfel noch die Blicke in die Ferne schweifen lasse, trudeln schließlich auch einige andere Tourengeher ein.

Bildergalerie: Dam Mountain

Der Abstieg

Nach einem kurzen Plausch, bei dem wir ein nicht sehr scheues Rabenpärchen mit Brotkrumen füttern, ist es dann Zeit zu gehen. Auch wenn ein Weitermarsch zum Goat Mountain (1401m) in nördlicher Richtung verlockend wäre, entscheide ich mich in südlicher Richtung zum Peak Chalet (1127m) zurückzukehren. Vorsichtig bahne ich mir nun mit den Schneeschuhen den Weg hinunter über den steilen und rutschigen Gipfelaufbau. Da ich leider keine Trekkingstöcke dabei habe, ist hier durchaus ein gewisses Maß an Konzentration erforderlich. Vor allem der erste Abschnitt des Abstiegs hat es in sich. An einigen sehr steilen Stellen fällt es schwer, mit den Schneeschuhen Halt zu finden. Leider sind diese Stellen auch noch mit großen Felsblöcken durchsetzt. Wer hier stürzt, landet nicht sehr weich. Trotz aller Vorsicht entgleitet mir der sichere Stand mehr als einmal, doch glücklicherweise habe ich die Lage dennoch schnell wieder unter Kontrolle. Als das steile, erste Wegstück geschafft ist, biege ich wieder auf den breiten, gespurten Pfad ein. Ab hier ist der Abstieg sehr viel angenehmer. Nach wenigen Minuten erscheint linkerhand wieder der Gipfelaufbau des Grouse Mountain (1231m). Obwohl sich auch dort einige Spuren durch den Schnee nach oben ziehen, verzichte ich auf diesen kleinen Abstecher und kehre lieber direkt zur Gondelstation zurück. Nach etwa 40 Minuten ist es dann geschafft! Zufrieden gebe ich meine Schneeschuhe wieder ab und lasse den Tag an der Seilbahnstation gebührend mit einem farbenprächtigen Sonnenuntergang ausklingen.

Ein herrlicher Sonnenuntergang über Vancouver rundet die Wintertour ab.

Fazit

Der Snowshoe Grind ist eine gelungene Alternative zum Grouse Grind, der in den Wintermonaten aufgrund schlechter Witterung gesperrt ist. Selbst mit einem geringen Maß an Kondition lässt sich diese Schneeschuhtour in maximal zwei Stunden bewältigen. Der Weg ist, mit Ausnahme des letzten Wegstückes, hervorragend und angenehm zu begehen. Zudem sorgt eine großzügig angelegte Ausschilderung für ein gutes Gefühl, sich nicht verirrt zu haben. Am Gipfel des Dam Mountain wartet an heiteren Tagen schließlich eine hervorragende Aussicht bis nach Vancouver Island auf den Tourengeher. Einzig die hohen Kosten für das Alpine Experience Ticket trüben das Erlebnis ein wenig.

StationenDistanzDifferenzZeit
Peak Chalet
→ Dam Mountain ✝ 2,1 km249 m ↑5 m ↓+0h 50m
→ Peak Chalet 2,1 km5 m ↑249 m ↓+0h 45m
Gesamt 4,2 km254 m ↑254 m ↓1h 35m