Wir haben mehrere Berichte zum Grouse Mountain (1231m) in den North Shore Mountains:

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Blick vom Alpin Trail auf den Crown Mountain mit den beiden Gipfeln Pyramid und Camel.

Der König der North Shore

Die Besteigung des Crown Mountain


27. Juli 2018 • Autor: red.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung des Crown Mountain in den North Shore Mountains bei Vancouver. Meine Wanderung beginnt am Fuße des Grouse Mountain. Von der Talstation des Skyrides steige ich zunächst über den BCMC Trail hinauf zum Peak Chalet, ehe es anschließend über den Alpine Trail weiter zum Crown Col geht. Ein schweißtreibender Schlussanstieg führt mich schließlich hinauf zum pyramidenförmigen Gipfel. Nach einer langen Gipfelpause trete ich den Rückweg an, der mich über dieselbe Route zurück zum Peak Chalet führt. Von dort geht es entspannt mit der Seilbahn wieder dem Tal entgegen.

Schwierigkeit: T3, UIAA IGPS-Route: Download

Im Bann des Königs

Als ich am Morgen mit dem gepackten Rucksack vor die Haustüre trete, habe ich mein heutiges Ziel bereits im Blick. Majestätisch silhouettiert der Crown Mountain (1504m) auch an diesem Morgen wieder die Skyline von Downtown Vancouver. Seit ich vor zwei Jahren in die Westküsten-Metropole gezogen bin, hat mich der imposante Berg mit seiner unverkennbaren Felskrone fest in seinen Bann gezogen. Heute will ich dem König der North Shore nun endlich einen Besuch abstatten.

Ein skeptischer Blick zum Himmel

Um kurz vor 07:00 Uhr setzt mich der Bus am Fuße des Grouse Mountain (1231m) ab. Während die meisten Touristen direkt die Talstation der Skyrides (274m) anpeilen, werfe ich erst einmal einen skeptischen Blick in den Himmel. Die Wettervorhersage hatte für heute eigentlich wieder Sonne satt und 30°C versprochen, doch im Moment liegen die North Shore Mountains noch unter einer grauen Wolkendecke. »Hoffentlich wird das noch besser«, murmle ich, als ich zum Waldrand hinüber stapfe.

Aufstieg über den BCMC

Während viele Wanderer ihre Crown-Besteigung erst am Peak Chalet (1127m) – der Bergstation des Skyrides – beginnen, kann ich mich mit dieser Idee nicht anfreunden. Zu unbefriedigend erscheint es mir, die halbe Strecke mit der Seilbahn zurückzulegen. Wenn ich mich schon auf den Weg zum Crown Mountain (1504m) mache, dann will ich mir den Gipfel auch ehrlich verdienen. Und so verbringe ich die ersten 90 Minuten der Tour zunächst einmal im Forst. Über den BCMC Trail – eine lohnende Alternative zum touristischen Grouse Grind – kämpfe ich mich langsam aber stetig durch den steilen Bergwald hinauf. Auf den engen Serpentinen herrscht heute Morgen erstaunlich wenig Betrieb. Ich bin nahezu alleine unterwegs.

Punktlandung am Peak Chalet

Als ich gegen 08:35 Uhr das Peak Chalet erreiche, steht mir der Schweiß bereits auf der Stirn. Obwohl ich den BCMC schon so oft gemacht habe, bin ich jedes Mal aufs Neue überrascht, wie steil der Trail doch ist. Auf dem Vorplatz des Chalets gönne ich mir dementsprechend erst einmal eine kurze Verschnaufpause. Der Himmel ist leider immer noch etwas wolkenverhangen, aber es sieht so aus, als würde sich die Sonne schon bald durchsetzen.

Am Peak Chalet des Grouse Mountain.

Der Vorplatz des Peak Chalets zeigt sich an diesem Morgen noch menschenleer.

Für ein, zwei Minuten lasse ich mich noch von einem Streifenhörnchen unterhalten, das quickfidel über den menschenleeren Vorplatz hopst, dann mache ich mich wieder auf den Weg. Genau zur rechten Zeit, wie sich herausstellt. Denn aus der Bergstation strömen nun die ersten Touristen, die im Gegensatz zu mir der Gondelfahrt den Vorzug gegeben haben. Um nicht von ihnen überrannt zu werden, beschleunige ich meine Schritte und wende mich direkt dem Hinterland zu.

Im Schatten des Grouse

Über die Westflanke des Grouse Mountain (1231m) geht es zunächst noch relativ gemütlich gen Norden. Eine große Tafel am Wegesrand erinnert an die Waldbrandgefahr, die aufgrund der derzeitigen Hitzewelle bereits auf die zweithöchste Stufe angestiegen ist. Tatsächlich kämpft British Columbia im Moment mit der schlimmsten Waldbrandsaison aller Zeiten. Die teils gigantischen Feuer im Landesinneren sind auch für den Dunstschleier verantwortlich, der heute über den North Shore Mountains wabert.

Während ich der breiten Schotterpiste locker weiter ins Hinterland folge, hopst plötzlich zu meiner Linken ein Felsengebirgshuhn samt Nachschlupf aus dem Gebüsch. Es ist das erste Mal, dass ich die stattlichen Vögel hier oben zu Gesicht bekomme. Lange kann ich mich allerdings nicht an den sogenannten Sooty Grouse erfreuen. Als mich die Mutter entdeckt, plustert sie sich schlagartig auf und verschwindet mit ihren Küken auch schon wieder im Gebüsch.

Ein Felsengebirgshuhn am Grouse Mountain.

Bei meinem Anblick muss sich das Felsengebirgshuhn derart beuteln, dass es staubt.

Hinein ins »Bear Country«

Nur wenige Minuten darauf erreiche ich die Abzweigung zum Alpine Trail, der mich fortan noch weiter ins Hinterland bringen wird. Eine kleine Plakette am Wegesrand lässt mich wissen, dass es jetzt gleich ins »Bear Country« geht. Doch wie sich herausstellt, werden Bären tatsächlich mein kleinstes Problem sein. Vielmehr hadere ich mit dem Käfer- und Fliegenregen, der fortan unerbittlich auf mich einprasselt. Obwohl mir die Sonne mittlerweile ins Genick brennt, kann ich nicht einmal stehen bleiben und mich in Ruhe eincremen. Gegen die Insektenplage hilft nur eins: In Bewegung bleiben!

Ein Warnschild im Bear Country.

Ab jetzt ist Aufmerksamkeit geboten: Es geht hinein ins »Bear Country«!

Das Ziel im Blick

Knappe 40 Minuten bin ich auf dem Alpine Trail schon unterwegs, als zwischen den Bäumen plötzlich der Crown Mountain (1504m) mit seinen beiden Gipfeln – der »Pyramid« und dem »Camel« – zum ersten Mal hervorblitzt. Der Anblick ist imposant!

Der Gipfel des Crown Mountain mit der Pyramid und dem Camel.

Die »Pyramid« und das »Camel« zeigen sich zum ersten Mal.

Bevor gleich der finale Anstieg beginnt, muss ich zunächst noch einmal ordentlich bergab, hinunter zum Crown Col (1085m), wie der Sattel zwischen Crown Mountain (1504m) und Goat Mountain (1401m) auch genannt wird. Grobes Geröll, feuchte Wurzeln und einige schlammige Passagen erschweren den Abstieg. Auch eine kurze, seilversicherte Stelle gilt es auf dem Weg zum Sattel zu bewältigen. Doch mit etwas Konzentration lasse ich all diese Hindernisse schnell hinter mir.

Begegnungen am Crown Col

Gegen 10:30 Uhr erreiche ich schließlich das Crown Col. Von meiner Hanes Valley Tour im letzten Jahr kenne ich den Sattel noch zu gut. Während ich gemütlich durch den Wald stapfe, taucht vor mir urplötzlich eine menschliche Silhouette auf. Es ist ein junger Kanadier, der auf einem Baumstumpf am Wegesrand sitzt und sich eine Pause gönnt. »Going up or coming down?«, frage ich ihn und deute in Richtung Crown Mountain (1504m). Er erzählt mir, dass er bereits am Gipfel war und nun auf seinen Begleiter wartet. Voller Neugier geselle ich mich zu ihm und erkundige mich über den weiteren Weg.

Bildergalerie: Crown Mountain

Der letzte Aufschwung

Als nach ein paar Minuten der Begleiter des Kanadiers endlich herab getrottet kommt, verabschiede ich mich und setze meine Tour fort. Vor mir liegt der finale Aufschwung zum Crown Mountain (1504m), und es besteht kein Zweifel: Es wird noch einmal richtig anstrengend!

Gleich zu Beginn geht es über einen schmalen und äußerst steilen Steig knackig bergauf. Dabei muss ich mich nicht nur über chaotisches Wurzelwerk kämpfen, sondern auch die ein oder andere Felsstufe überwinden. Während ich mich langsam durch den Bergwald nach oben arbeite, höre ich unter mir schon bald zwei Stimmen heranrücken. Als ich kurz darauf eine kleine Verschnaufpause einlege, schließen die beiden jungen Männer auch schon zu mir auf. Marx und Derrick heißen sie. Wir kommen direkt ins Gespräch und entscheiden uns, den Aufstieg gemeinsam fortzusetzen.

Felsbänder und Geröllfelder

Wir sind noch nicht lange unterwegs, als sich der Wald zu lichten beginnt und ein imposantes Felsband vor uns erscheint. Glücklicherweise ist die Route über das Band so gut markiert, dass man sich hier – zumindest im Sommer – nicht verlaufen kann. Mit Hand und Fuß arbeiten wir uns locker durch den griffigen Fels. Dann verschwinden wir auch schon wieder im steilen Bergwald. Während Marx und Derrick mit flottem Tempo weiterpreschen, gönne ich mir noch einmal eine kurze Verschnaufpause.

Das Felsband am Crown Mountain.

Genussvoll arbeiten wir uns über das Felsband.

Nachdem ich mich wieder ans Werk gemacht habe, taucht vor mir schon bald ein stattliches Geröllfeld auf. Es ist die letzte Hürde auf dem Weg zum Gipfel. Zu meiner Überraschung finde ich relativ problemlos eine Route durch das felsige Labyrinth. Im Anschluss folgt nochmal ein einfaches Waldstück, ehe sich der Blick endgültig öffnet und der Gipfel direkt über mir erscheint. Über einen schönen, ausgesetzten Steig geht es diesem nun flott entgegen.

Das Geröllfeld am Crown Mountain.

Ein großes Geröllfeld stellt die letzte Hürde auf dem Weg zum Gipfel dar.

Rätselhafte Markierungen

Fünf Meter unterhalb des Gipfels gerät mein Aufstieg dann aber doch noch einmal ins Stocken. Während Derrick und Marx bereits von oben herunterwinken, hadere ich mit der Wegfindung. Zwar sehe ich direkt vor mir eine große, runde Markierung am Fels, aber wie ich dort hinaufkommen soll, ist mir ein Rätsel. Erst nach zwei Minuten wird mir klar, dass ich die Felsstufe vor meiner Nase gar nicht unbedingt erklettern muss, sondern auch ganz gemütlich linkerhand umgehen kann. Nach diesem Umweg steht dem Gipfelerfolg nichts mehr im Wege. Noch ein paar beherzte Handzüge, dann ist es geschafft!

Der Gipfel des Crown Mountain.

Bei der weißen Markierung führt linkerhand ein einfacher Weg um die Felsstufe herum.

Ein königliches Panorama

Crown Mountain
LandKanada
GebirgeCoast Mountains
KammNorth Shore Mountains
Höhe1504 m
Koordinaten49°24′36″N, 123°05′31″W

Um 11:50 Uhr stehe ich auf dem Gipfel des Crown Mountain (1504m). Zufrieden lege ich den Rucksack ab und geselle mich zu Derrick und Marx, die es sich auf einer kleinen Felsstufe unterhalb der Spitze gemütlich gemacht haben. Während meine beiden Wegbegleiter sich über ihren geräucherten Lachs hermachen, lasse ich erst einmal den königlichen Rundumblick auf mich wirken. Der mühevolle Aufstieg hat sich mehr als gelohnt!

Im Westen dominiert der Beauty Peak (1401m), der manchmal auch Crown Buttress oder West Crown genannt wird, den Blick. Silhouettiert wird der markante Gipfel von den Bergen der Cypress Range und den Gipfeln des Howe Sound Crest Trails. Rund um das Zweigestirn aus West Lion (1654m) und East Lion (1606m) lassen sich auch noch einige Altschneefelder erkennen. Im Norden reicht die Sicht vom greifbar nahen Crown N1 (1408m) bis hin zum stark vergletscherten Mount Garibaldi (2678m) am Horizont.

Der Ausblick vom Crown Mountain auf den Beauty Peak und die Cypress Range.

Im Westen lässt sich hinter dem Beauty Peak auch die Cypress Range erkennen.

Der Ausblick vom Crown Mountain auf den Crown N1.

Im Norden zeigt sich mir der restliche Crown-Kamm, unter anderem mit dem Crown N1.

Den Blick gen Osten dominiert das Dreigestirn aus Cathedral Mountain (1737m), Mount Burwell (1541m) und Coliseum Mountain (1441m). Auch die Needles (1266m, 1256m, 1163), die ich demnächst einmal besuchen will, lassen sich prächtig erkennen. Im Süden erheben sich mit dem Goat Mountain (1401m), dem Grouse Mountain (1231m), dem Dam Mountain (1349m) und dem Little Goat Mountain (1321m) zudem alle Gipfel, die ich auf meinem Weg über den Alpine Trail links und rechts liegen gelassen habe.

Der Ausblick vom Crown Mountain auf die Grouse Area.

Im Süden liegen mir die restlichen Gipfel der Grouse Area zu Füßen.

Obwohl die Sicht noch immer diesig ist, lässt sich auch eine gigantische Rauchsäule über Richmond erkennen. Wie sich herausstellt, hat dort ein Sumpf aufgrund der sommerlichen Hitze Feuer gefangen.

Die Spitze der Pyramide

Nach einer Viertelstunde machen sich Derrick und Marx wieder auf den Weg, und ich bleibe alleine auf dem Gipfel zurück. Der Vollständigkeit halber steige ich jetzt noch das letzte Stück zur eigentlichen Spitze hinauf. Dies ist zwar eine luftige Angelegenheit, aber ein großer Riss im Fels bietet guten Halt. Nachdem ich ein paar Fotos vom höchsten Punkt der »Pyramid« geschossen habe, steige ich wieder vorsichtig hinab zu meinem Rucksack und genieße noch ein wenig das herrliche Panorama.

Die Spitze des Crown Mountain.

Vorsichtig steige ich zur Spitze der Pyramide empor.

Zurück zum Alpine Trail

Erst nach einer Stunde kann ich mich vom Gipfel losreißen. In aller Gemütsruhe packe ich meinen Rucksack, dann mache ich mich wieder auf den Weg. Zu meiner Überraschung ist der Abstieg zum Crown Col bei Weitem nicht so haarig, wie ich es mir noch beim Aufstieg ausgemalt hatte. Nach gerade einmal 55 Minuten stehe ich wieder auf dem Sattel. Dafür habe ich mit dem anschließenden Gegenanstieg ordentlich zu kämpfen. Es macht sich bemerkbar, dass ich bereits seit sieben Stunden auf den Beinen bin. Aber mit einigen Verschnaufpausen schaffe ich es doch noch irgendwie nach oben.

Der Abstieg vom Crown Mountain.

Nach einer langen Gipfelpause trete ich langsam den Rückweg an.

Der BeaverTail ruft!

Dann folge ich dem Alpine Trail wieder gemütlich zurück in Richtung Peak Chalet und freue mich mental schon darauf, mir dort gleich ein BeaverTail-Gebäck kaufen zu können. Da kommt mir plötzlich der Gedanke, dass der BeaverTail-Stand ja bereits um 16:00 Uhr seine Pforten schließt! Leicht beunruhigt werfe ich einen Blick auf meine Uhr und stelle fest, dass es bereits 15:15 Uhr ist. »Mist! Das wird eng!« Jetzt hole ich doch noch einmal die letzten Kraftreserven heraus und jage so schnell es geht dem Peak Chalet entgegen. Nach dieser Tour habe ich mir einen kleinen Snack mehr als verdient!

Ein gelungener Abschied

Der Schlussspurt lohnt sich! Um 15:40 Uhr erreiche ich den kleinen Stand am Peak Chalet, der das köstliche kanadische Gebäck verkauft. Ohne Zeit zu vergeuden bestelle ich mir gleich zwei Zimt-Zucker-Zitronen-BeaverTails, dann stapfe ich hinüber zur Seilbahn. Während ich bei der Bergstation auf die nächste Gondel warte, habe ich noch einmal die Gelegenheit, einen Blick zurück zum Crown Mountain (1504m) zu werfen. Zwischen einigen Bäumen blitzt er mit seiner unverkennbaren Felskrone hervor, und ich bin mehr als froh, dass mir der König der North Shore heute endlich eine Audienz gewährt hat.

BeaverTails am Grouse Mountain.

Mit zwei köstlichen BeaverTails lasse ich die Tour am Peak Chalet gemütlich ausklingen.

StationenDistanzDifferenzZeit
Talstation Grouse Skyride
→ Peak Chalet +2,5 km853 m ↑ 0 m ↓+1h 35m
→ Crown Col +4,3 km179 m ↑221 m ↓+2h 00m
→ Crown Mountain ✝ +1,9 km419 m ↑ 0 m ↓+1h 15m
→ Crown Col +1,9 km 0 m ↑419 m ↓+0h 55m
→ Peak Chalet +4,3 km221 m ↑179 m ↓+1h 15m
Gesamt 14,9 km1672 m ↑819 m ↓7h 00m