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Wir haben mehrere Berichte zur Zugspitze (2962m) im Wetterstein:

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Hike & Bike unter der Alpspitze

Über den Osterfelderkopf auf die Bernadeinspitze


03. Oktober 2015 • Autor: brm.


Übersicht

Dieser Text beschreibt eine Hike & Bike-Tour auf den Osterfelderkopf und den Bernadeinkopf bei Garmisch-Partenkirchen im Wetterstein. Von der Talstation der Kreuzeck- und Alpspitzbahn geht es mit dem Mountainbike über das Kreuzeck zur Hochalm. Dort werden die Wanderschuhe übergezogen und die letzten Meter zum Osterfelderkopf zu Fuß zurückgelegt. Nach einer langen Gipfelrast geht es über den Nordwandsteig hinüber zum Bernadeinkopf und anschließend über die Schöngänge zurück zur Hochalm. Nach einem kurzen Abstecher zum Kreuzeck und zum Kreuzjoch geht es mit dem Rad zurück ins Tal.

Schwierigkeit: T3, UIAA IGPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 5

Abenteuerliche Kraxelei

Langsam steige ich über in den Fels geschlagene Eisensprossen hoch. Eine gut 500 Meter hohe Felswand erhebt sich neben mir. Auf der anderen Seite geht es mehrere hundert Meter in die Tiefe. Noch ein letzter Zug über den Fels. Jetzt kann ich mein Ziel erkennen: den Bernadeinkopf (2143m) – auch bekannt als Bernadeinspitze. Zwischen mir und dem Gipfel liegt nur noch das Oberkar. Steinig, aber nicht schwer.

Ich bin im Wettersteingebirge bei Garmisch-Partenkirchen (708m) unterwegs. Früh am Morgen bin ich gestartet, um bereits vormittags den Großteil der Tour hinter mich zu bringen und dabei dem Touristenansturm zu entkommen. Es ist mir gelungen: Bereits um halb zehn war ich am Osterfelderkopf (2057m) und jetzt bin ich über den Nordwandsteig kommend fast am Tagesziel.

Bildergalerie: Über den Nordwandsteig der Alpspitze

Osterfelderkopf mal anders

Der Nordwandsteig ist ein in den Fels geschlagener Steig, der vom Osterfelderkopf (2057m) durch die Nordostwand der Alpspitze (2628m) in Richtung Bernadeinkopf (2143m) führt. Die Alpspitze, der Hausberg Garmisch-Partenkirchens, ragt direkt darüber auf. Und obwohl der Osterfelderkopf mit seinen zwei Seilbahnstationen einer der Touristenmagnete im Wettersteingebirge ist, ist es am Nordwandsteig erstaunlich ruhig. Die meisten Bergsteiger zweigen bereits zuvor in die Alpspitz-Ferrata ab – den Klettersteig hinauf zur Alpspitze. Der Nordwandsteig dagegen bietet bis in den frühen Nachmittag eine einsame Kraxelei. Später hingegen nutzen dann die von der Alpspitze absteigenden Bergsteiger diesen Weg, um zurück zum Osterfelderkopf zu kommen.

Nahezu täglich gut besucht: der Osterfelderkopf.

Den Aufstieg zum Osterfelderkopf (2057m) ersparen sich dagegen die meisten. Die Alpspitzbahn, die Kreuzeckbahn und die Hochalmbahn (Infos dazu auf der Webseite der Bayerischen Zugspitzbahn) sorgen dafür, dass man bereits mit den ersten Sonnenstrahlen die felsige Umgebung des Wettersteins genießen kann.

Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen und die Karten zu studieren. Von der Talstation der Kreuzeck- und der Alpspitzbahn führt eine Forststraße bis nach oben zum Osterfelderkopf (2057m). Wie gemacht für das Mountainbike. Wer dann noch zur Lupe greift, erkennt einen schmalen Wanderweg, der von der Hochalm (1705m) direkt unter der dort startenden Hochalmbahn zum Osterfelderkopf führt. Damit ist die Hochalm das ideale Raddepot. Hier stelle ich daher mein Bike ab. Die Auffahrt war anstrengend aber machbar, einzig die letzten hundert Höhenmeter vor dem Kreuzeck (1651m) waren unangenehm steil zu fahren. Da der letzte Abschnitt von der Hochalm zum Osterfelderkopf aber als kaum fahrbar gilt, schnüre ich nun meine Wanderschuhe und mache mich auf den Weg.

Zurecht ein Touristenmagnet

Osterfelderkopf
LandDeutschland
GebirgeWetterstein
KammBlassenkamm
Höhe2057 m
Koordinaten47°26′21″N, 11°03′01″E

„Auch wir sind früher vom Tal heraufgestiegen und haben nicht die Seilbahn genommen“, erzählt mir eine ältere Wanderin stolz, als ich den Gipfel des Osterfelderkopf (2057m) erreiche. „Jetzt kommen die Leute aber alle nur noch mit der Gondel herauf.“ „Nicht umsonst“, muss ich gestehen: Das Panorama ist fantastisch und obwohl der Alpspix – die beiden gekreuzten Aussichtsplattformen am Osterfelderkopf – sehr aufgesetzt wirken, ist der dortige Blick ins Höllental, auf die Zugspitze (2962m) und auf Garmisch fantastisch. Außerdem ist der Osterfelderkopf Ausgangspunkt zahlreicher toller Touren im Wetterstein in allen Schwierigkeitsgraden. Hier findet jeder etwas. Und so mache auch ich mich, nachdem ich mich von der Frau verabschiedet habe, auf den Weg Richtung Nordwandsteig.

Den Nordwandsteig muss man erlebt haben.

Nordwandsteig: Ein wahres Erlebnis

Bis spät ins Jahr ist der Nordwandsteig gut zugänglich. Zwar liegt häufig Schnee im Fels, aber dank der kaum vorhandenen Steigung ist das kein Problem. Viele Kraxeleien, Leitern, Seilversicherungen, Felstunnel und steile Felsabbrüche machen den schmalen Weg zu einem wahren Erlebnis. An seinem Ende – oberhalb der Bernadeinwände – liegt schließlich der Bernadeinkopf (2143m), dessen südseitig begrünter Gipfel so gar nicht in die felsige Umgebung des Wettersteins passt.

Bernadeinkopf
LandDeutschland
GebirgeWetterstein
KammBlassenkamm
Höhe2143 m
Koordinaten47°25′52″N, 11°03′37″E

Dort angekommen genieße ich eine Gipfelrast in völliger Einsamkeit. Mein Blick streift über die umliegenden Gebirgszüge: Im Norden – hinter dem Kreuzeck (1651m) und dem Osterfelderkopf (2057m) – liegt das Estergebirge mit dem Krottenkopf (2086m) und der Waxensteinkamm mit dem markant spitzen Großen Waxenstein (2277m). Im Süden dagegen erhebt sich der imposante Blassenkamm mit den hervorstechenden Hochblassen (2703m) und Hoher Gaif (2288m). Der Westen ist bestimmt von der formschönen Alpspitze (2628m). Im Osten geht es hinab ins Reintal. Nur im Hintergrund erkenne ich wieder mächtige Bergkämme, darunter den Gipfel der Oberen Wettersteinspitze (2298m).

Ein Gleitschirmflieger schwebt vor dem Estergebirge.

Das Plateau vor mir füllt sich mittlerweile mit Leben. Zahlreiche Menschen wandern vom Osterfelderkopf (2057m) hinab ins Tal. Auch im Nordwandsteig erkenne ich immer mehr Bergsteiger und vom Ostgrat der Alpspitze (2628m) marschieren bereits erste Wanderer herab. Daher heißt es für mich Abschied zu nehmen und abzusteigen.

Die Schöngänge runden eine tolle Tour ab

Abstieg über die Schöngänge
(Helmkamera: 18:14 min)

Mein Abstieg erfolgt über die Schöngänge. Der alpine Steig, der direkt am Bernadeinkopf (2143m) abzweigt, erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Außerdem ist Vorsicht vor Steinschlag geboten. Nach rund dreißig Minuten erreiche ich die Forststraße, die vom Osterfelderkopf (2057m) ins Tal führt. Ich folge ihr bis zur Hochalm und von dort geht es mit dem Rad zurück.

Die Abfahrt lässt sich beliebig ausgestalten

Kreuzeck
LandDeutschland
GebirgeWetterstein
KammBlassenkamm
Höhe1651 m
Koordinaten47°27′08″N, 11°03′58″E

Wer will kann bei der Abfahrt noch auf der tollen Aussichtsterrasse des Kreuzeckhaus (1651m) einkehren und den Kreuzeck-Gipfel (1651m) direkt am Forstweg aufsuchen. Der Blick auf Garmisch, das Estergebirge, die Ammergauer Alpen und das Alpenvorland ist fantastisch. Auch zu einer Brotzeit lädt der geräumige Gipfel ein.

Kreuzjoch
LandDeutschland
GebirgeWetterstein
KammBlassenkamm
Höhe1719m
Koordinaten47°27′10″N, 11°04′48″E

Wer es dagegen ruhiger mag, besucht noch das Kreuzjoch (1719m) gegenüber des Kreuzecks. Der Weg ist nicht ausgeschrieben, führt aber über eine Forststraße leicht nach oben. Dort warten ein schöner Gipfel mit toller Aussicht ins Wetterstein, auf den sich nur wenige Wanderer verirren.

Für alle, die es gern einsam haben, bietet sich noch das Kreuzjoch an.

Wer hingegen auf beide Gipfel gut verzichten kann, fährt über die Forststraße zurück ins Tal und besucht dabei eine der vielen Almen und Berghütten am Wegesrand. Oder er informiert sich kurz vor dem Parkplatz im Bob-Museum über die historische Olympia-Bobbahn am Rießersee.

StationenDistanzDifferenzZeit
Talstation Kreuzeckbahn
→ Hochalm +11,9 km 1044 m ↑ 47 m ↓ +2h 15m
→ Osterfelderkopf ✝ +1,6 km 352 m ↑ 0 m ↓ +0h 40m
→ Bernadeinkopf ✝ +1,7 km 211 m ↑ 125 m ↓ +0h 45m
→ Hochalm +2,0 km 5 m ↑ 443 m ↓ +0h 50m
→ Kreuzeck ✝ +1,5 km 21 m ↑ 75 m ↓ +0h 15m
→ Kreuzjoch ✝ +1,3 km 136 m ↑ 68 m ↓ +0h 35m
→ Talstation Kreuzeckbahn +11,0 km 30 m ↑ 1041 m ↓ +0h 45m
Gesamt 31,0 km 1799 m ↑ 1799 m ↓ 6h 05m