Wir haben mehrere Berichte zum Krottenkopf (2086m) in den Bayerischen Voralpen:

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Wir haben mehrere Berichte zum Kreuzeck (1651m) im Wetterstein:

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Wir haben mehrere Berichte zum Kreuzjoch (1719m) im Wetterstein:

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Kraxelei im östlichen Wetterstein

Der Grünkopf und die Obere Wettersteinspitze


03. Oktober 2014 • Autor: brm.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung des Grünkopf und der Oberen Wettersteinspitze im Wettersteingebirge. Unsere Wanderung beginnt in Mittenwald und führt uns zunächst über den Franzosensteig hinauf zum Gipfel des Grünkopf. Von dort aus geht es weiter zum Gemsanger und schließlich hinauf auf die Obere Wettersteinspitze. Nach einer kleinen Pause am einsamen Gipfel steigen wir über den Ferchensee wieder hinab nach Mittenwald.

Schwierigkeit: T4, UIAA IGPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 5

Zug? Eine schlechte Wahl

Jaja, die Wies’n. Das größte Volksfest der Welt ist nicht immer für alle ein Segen. Obwohl wir bereits um 6 Uhr starten, sind wir mit reichlich fanatischen Lederhosenträgern unterwegs. Bier inklusive!

Im Zug nach Mittenwald ist es wenig besser. Ein sonniger Feiertag, vielleicht der letzte des Jahres. Da zieht es scheinbar jeden Nicht-Wies’n-Besucher in die Berge. Im Fahrradabteil können wir noch letzte Plätze ergattern.

In Mittenwald (912m) angekommen gönnen wir uns daher erst mal eine Tasse Kaffee im Bahnhofslokal und lassen die Wanderung ruhig angehen. Obwohl es schon 10 Uhr ist.

Bildergalerie: Grünkopf & Obere Wettersteinspitze

„Da 871er is unser Weg“

Vom Bahnhof ist der Weg noch nicht angeschrieben. Hier der Bahnhofsstraße folgen bis zur Kreuzung Karwendelstraße, links gen Süden abbiegen bis zum Dekan-Karl-Platz und dort rechts in die Adolf-Baader-Straße einbiegen. Hier befindet sich ein Wanderparkplatz für PKW. Anschließend den Wegweisern mit dem als Nummer 871 angeschriebenen Weg folgen (Richtung Ferchensee/Lautersee/Grünkopf).

Nach einer Weile stoßen wir auf eine Teerstraße und dort auf eine weitere Abzweigung. Geradeaus führt der Weg über die beiden Seen, links geht es (wieder über die Route 871) auf den Grünkopf (1588m). Wir entscheiden uns für letzteren Weg, beide führen aber schlussendlich zur Oberen Wettersteinspitze (2298m).

Kurz führt uns der Weg nun über eine Forststraße, ehe er rechts abzweigt auf einen Waldsteig. Die Straße dagegen läuft noch ein Stück weiter zur Ederkanzel (1184m), einem Berggasthof mit schöner Aussicht. Dafür können wir uns heute aber leider die Zeit nicht nehmen.

Der Grünkopf

Grünkopf
GebirgeWetterstein
KammWettersteinkamm
Höhe1588 m
Dominanz1,7 km →
Untere Wettersteinspitze
Koordinaten47°25′50″N, 11°13′12″E
KarteKompass 5: H3

Der Steig führt uns anfangs noch breit durch den Forst. An einer Stelle ist Achtsamkeit gefragt, hier verengt sich der Steig und ist auf dem grasigen Waldboden schwer zu erkennen. Dort einfach nach dem Grenzstein suchen, ab dann ist der Weg wieder gut zu erkennen. Nun wandern wir unschwer, aber am Ende steil, auf den Gipfel des Grünkopf (1588m), den wir nach weniger als zwei Stunden erreichen. Dieser befindet sich oberhalb der Ferchenseewände. Hier bietet sich uns ein toller Blick ins Karwendel auf den Wörner (2474m) und den Mittenwalder Höhenweg sowie auf die Untere Wettersteinspitze (2151m). Auch einen Stempel, mittlerweile ein seltenes Gimmick am Berg, gibt es hier. Es ist ein gemütliches Gipfelplateau mit Bänken und Wiesen, das zum Verschnaufen einlädt.

Der Gipfel des Grünkopfs rückt näher.

Wieder 300 Höhenmeter talwärts

Vom Gipfel des Grünkopf (1588m) geht es westwärts steil nach unten. Noch immer folgen wir den Grenzsteinen. Bis zur Abzweigung nach Leutasch, der wir nicht folgen, ist der Weg steinig und anspruchsvoll und verlangt Trittsicherheit. Ab der Abzweigung folgen wir dem weniger steinigen und leichter begehbaren Franzosensteig.

Der Franzosensteig

Um unserer journalistischen Verpflichtung nachzukommen, klären wir über die Namensgebung dieses Steiges kurz auf: Im Dreißigjährigen Krieg errichteten die Tiroler in Scharnitz zwischen der Brunnsteinspitze und der Großen Ahrnspitze die Befestigungsanlage Porta Claudia und in Leutasch die Leutascher Schanz südöstlich des Grünkopf. Beide sollten Schutz vor den einfallenden Schweden bieten.

Auch im Jahre 1805, während des Feldzugs Napoléons, wurden die Anlagen wieder genutzt, um den überzähligen Franzosen standzuhalten. Diese überlegten sich jedoch eine List: Unter Führung der verbündeten Bayern (insbesondere Mittenwaldern) umgingen sie die Leutascher Schanz, indem sie den Grünkopf nördlich und westlich umgingen und so den verschanzten Tirolern in den Rücken fielen. Angeblich soll bei diesem Einfall nur ein einziger Schuss abgegeben worden sein und die Kanonenkugel im Gasthaus zur Mühle, wo sie angeblich einschlug, noch immer aufbewahrt werden.

Auch die Porta Claudia war für die Franzosen anschließend kein Problem mehr. Über das südliche Seefeld konnten sie auch die dortige Besatzung überwältigen.

Diese Kriegslist der Franzosen hatte zur Folge, dass der Franzosensteig zu dem Namen kam, der ihn heute in den Wanderkarten noch ziert.

Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir der Beschilderung folgend den Einstieg zur Oberen Wettersteinspitze (2298m). Vom Grünkopf (1588m) sind wir nur 300 Meter abgestiegen, die wir nun wieder nach oben müssen. Drei Stunden und 45 Minuten sind bis zum Gipfel angeschrieben.

Aderlass

Wenig verwunderlich also, dass der Weg nun an den Kräften zehrt. Denn nach einem kleinen Karfeld geht es bereits steil nach oben über die ersten Seilversicherung. Von unserer Fünfergruppe haken zwei den Gipfel ab und lassen sich zurückfallen.

Wir kämpfen uns über weitere Seilsicherungen nach oben bis zum großen Hochkar unterhalb der beiden Wettersteinsteinspitzen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind unverzichtbar.

Hier verzichtet ein dritter Teilnehmer auf den Gipfel, er will nicht mehr. Zu zweit kämpfen wir uns über das anstrengende Kar bis zum schmalen Schrofensteig rechtsseitig unterhalb des Gemsangers (2000m). Wiederum ist Trittsicherheit unerlässlich. Viele ausgesetzte Stellen im Steig verlangen Konzentration.

Am Gemsanger, einer großen Wiesenfläche, angekommen hat sich dann ein Mitglied wieder herangekämpft. Ohne Rucksack und pfeilschnell. Zu dritt gehen wir die letzten 300 Meter an.

Der Gemsanger, ein Wiesenplateau in 2000 Meter Höhe.

Wer bis hierher ernsthafte Probleme hatte, sollte auf dem Gemsanger Schluss machen und den tollen Blick von der Wiese genießen.

Schrofig und steil

Die letzten 300 Höhenmeter legen wir über schrofiges, stufiges und steiles Gelände häufig auf allen Vieren zurück. Dank einer ordentlichen Markierung ist die beste Aufstiegsroute kaum zu verfehlen, dennoch sei aber darauf hinzuweisen, dass uns ein Wanderer entgegenkam, der sich in diesem Bereich verlaufen hatte und ohne Gipfelerfolg erschöpft wieder abstieg.

Ebenso muss gesagt werden, dass ein gesundes Maß an Kondition unerlässlich ist. Ein Mitglied fiel weit zurück und klagte am kommenden Tag über mehrere Muskelkater.

Gipfelerfolg

Obere Wettersteinspitze
GebirgeWetterstein
KammWettersteinkamm
Höhe2298 m
Dominanz1,2 km → Rotplattenspitze
Koordinaten47°25′37″N, 11°11′29″E
KarteKompass 5: G3

Nach viereinhalb Stunden erreichen wir den Gipfel. Für den Aufstieg haben wir also lediglich zwei Stunden statt der angeschriebenen drei Stunden und 45 Minuten benötigt. Oben bietet sich uns ein toller Blick: Die Ödkarspitzen (2745m, 2738m, 2712m), der Mittenwalder Höhenweg, der Wörner (2474m), die Rotplattenspitze (2399m) und die Große Ahrnspitze (2196m) sind prächtig zu erkennen. Ebenso bietet sich uns ein Blick auf die Große Klammspitze (1924m), das Kreuzeck (1651m) und das Kreuzjoch (1719m). In der Ferne erkennen wir den Krottenkopf (2086m). Im Tal liegen die beiden Seen Ferchensee (1059m) und Lautersee (1013m) sowie Mittenwald, Garmisch und Leutasch. Die Aussicht ist herrlich.

Der Abstieg

Abstieg im Sonnenuntergang
(Helmkamera: 15:24 min)

Nach einer langen Gipfelrast steigen wir ab. Hier ist ungleich mehr Konzentration gefordert. Wir passen gut auf, keine Steine loszutreten. Nicht immer gelingt es uns. Wir sind aber eh die letzten am Berg. Besonders bis zum Gemsanger ist Vorsicht geboten, im Anschluss wird es etwas leichter.

Unten angekommen folgen wir der Beschilderung Richtung Mittenwald/Ferchensee/Lautersee. Am Ferchensee treffen wir auf die zurückgebliebenen Mitglieder und wandern locker über einen breiten und viel frequentierten Weg nach Mittenwald zurück.

Am Ferchensee werfen wir einen Blick zurück.

Schlussbetrachtung

Der Grünkopf zählt deutlich mehr Besucher, auf der Oberen Wettersteinspitze dagegen ist man oft alleine unterwegs. Während der Grünkopf auch als Feierabend-Tour herhalten kann, ist die Obere Wettersteinspitze eine Tour mit alpinem Charakter und eine Besteigung bedarf entsprechender Vorbereitung. Wer Lust und Zeit hat, kann anschließend in einem der beiden Seen baden oder in einem Gasthaus am Ufer einkehren. Die Tour ist perfekt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu gestalten, unter Zeitdruck waren wir nicht.

Wie gesagt kann der Grünkopf auch weggelassen und der Weg über die Seen gewählt werden. Hier bietet sich auch das Mountainbike an.

StationenDistanzDifferenzZeit
Mittenwald
→ Grünkopf ✝ +4,5 km680 m ↑4 m ↓+1h 45m
→ Obere Wettersteinspitze ✝ +4,1 km1048 m ↑338 m ↓+4h 15m
→ Ferchensee +3,5 km0 m ↑1239 m ↓+2h 30m
→ Mittenwald +4,7 km40 m ↑187 m ↓+0h 45m
Gesamt 16,8 km1768 m ↑1768 m ↓7h 30m