Gemütlicher Stützpunkt in Richtung Zugspitze

Hüttentest: Die Wiener-Neustädter-Hütte


29. November 2016 • Autor: brm.


Einführung

Bereits seit 1884 ist die Wiener-Neustädter-Hütte (2213m) Station für zahlreiche Touren rund um Deutschlands höchsten Berg. Die traditionsreiche Hütte liegt mitten im Österreichischen Schneekar im Schatten der Westwand der Zugspitze (2962m) und dient besonders beim Aufstieg von Ehrwald (3h) über den Stopselzieher-Klettersteig als gern genutzter Stützpunkt. Die mehrmals erweiterte Hütte – auch ein zweites Gebäude für die Schafräume ist bereits hinzugebaut – verfügt mittlerweile über 25 Betten und zehn Lager und hat von Mitte Juli bis Anfang Oktober geöffnet. Im August 2016 haben wir der urigen Berghütte einen Besuch abgestattet.

Lage

Die Wiener-Neustädter-Hütte liegt am Rande des Österreichischen Schneekars in einer kleinen Mulde kurz vor dem Einstieg zum Stopselzieher-Klettersteig. Im Osten erhebt sich die Westwand der Zugspitze (2962m) – der Gipfelaufbau ist gut zu erkennen; im Süden liegt das markante Sonnenspitzl (2600m) sowie der Nordabbruch des Zugspitzecks (2816m). Im Süden dagegen blicken die Wanderer auf den im Tal liegenden dunkelgrünen Eibsee (973m). Direkt über der Hütte verlaufen die Bahnseile der Tiroler Zugspitzbahn. Für die meisten Gäste ist natürlich die Zugspitze das Ziel, versierte Bergsteiger können aber auch das Sonnenspitzl (UIAA III) in Angriff nehmen. Diese Route ist aber nicht ausgewiesen. Weitere Gäste gibt es nur wenige, diese kommen dann für gewöhnlich von der Zugspitze herab, meist nach einer Überschreitung des Gipfels.

Der Eibsee von der Wiener-Neustädter-Hütte.

Das Panorama auf der Hütte ist fantastisch.

Bewirtung

Hüttenwirt Guido Schweigl trinkt abends nach dem Essen gern noch ein Bierchen mit seinen Gästen und erstattet auf Wunsch Bericht über allerlei Themen zur Hütte und den umliegenden Bergen. Das Abendessen besteht zwar nur aus einem Gericht, ist aber sehr lecker – bei uns war es Zürcher Geschnetzeltes – und Nachschlag gibt es kostenfrei so viel das Herz begehrt. Das Frühstück ist mit 7:30 Uhr etwas spät angesetzt, dem Umstand, dass die meisten Wanderer lediglich auf die Zugspitze (2962m) wollen (3h), ist es aber angemessen. Bei uns war lediglich der Hüttenwirt zur Bewirtschaftung anwesend und musste sich um alles kümmern. Das Bestellen von Getränken (natürlich Selbstbedienung) kann also etwas dauern. Die Preise sind für eine Berghütte natürlich hoch, aber im Rahmen. Man muss bedenken, dass die Lebensmittel mit der Gondelbahn heraufkommen, die oberhalb der Hütte stehen bleibt, um neue Waren herabzulassen und verbrauchte Ware hinaufzuziehen. Hier entstehen natürlich Mehrkosten.

Schlafraum auf der Wiener-Neustädter-Hütte.

Die Schlafräume auf der Wiener-Neustädter-Hütte sind sauber und bieten vier Personen Platz.

Ausstattung

Die Hütte ist sehr klein. Der Bau des zweiten Hauses als Schlafraum war wohl mehr als nötig. In der Gaststube war kaum mehr Platz für uns und wir waren nicht die letzten Gäste. Eine Gruppe musste daraufhin sogar draußen speisen. Die Schlafräume sind sauber und gut instandgehalten und haben uns soweit überzeugt. Lediglich etwas zu kalt war es im Zimmer. Mehrere Decken und Kissen sind vorhanden, einen Hüttenschlafsack sollten die Gäste aber mitbringen. Die Sanitäranlagen dagegen sind veraltet: Die Toilette besteht zwar aus einem Pissoir, aber eben auch aus einer Trockentoilette, die dementsprechend unangenehm riecht. Die nicht mehr verwertbaren Abfälle – die Hütte hat eine Wiederaufbereitungsanlage – werden dabei zweimal im Jahr geleert. Da aber kaum wer zum Wellnessurlaub auf die Hütte kommt, ist dieser Punkt zu verkraften. Das Wasser auf der Hütte wird aus Schneefeldern unter dem Kar gewonnen und aufbereitet und ist sehr sauber (aber kein Trinkwasser).

Eine tolle Sache ist das kleine Museum im Vorraum der Gaststube. Dort können sich die Gäste über die Geschichte der Hütte informieren. Das Hüttenteam berät gerne.

Museum der Wiener-Neustädter-Hütte.

Das Hüttenmuseum ist ein netter Einfall.

Fazit

Wir haben uns auf der Hütte sehr wohl gefüllt. Hier gibt es keine Massenabfertigung und alles ist noch sehr gemütlich. Die Erzählungen des Hüttenwirtes sind interessant und schön anzuhören. Der Rundblick ist fantastisch. Wie gewöhnlich empfehlen wir ein Zimmer statt des Lagers: Der Komfort ist höher, der Preis dagegen kaum – und man kann am Morgen früh aufstehen, ohne dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Wir haben beispielsweise auf das Frühstück verzichtet, um früh loszukommen.