Wir haben mehrere Berichte zur Zugspitze (2962m) im Wetterstein:

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Der Blick vom Hochjoch über den Planseee und den Heiterwanger See.

Eine Genusstour über dem Plansee

Schelleskopf und Hochjoch


01. Juni 2019 • Autor: red.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung des Schelleskopf und des Hochjoch im Ammergebirge. Unsere Wanderung beginnt beim Hotel Seespitze am Nordwestufer des Plansee und führt uns über die rustikale Hölltalhütte zunächst zum unscheinbaren Gipfel des Schelleskopf hinauf. Anschließend folgen wir dem Grat weiter nach Osten bis zum Hochjoch. Dort legen wir eine lange Gipfelpause ein, ehe es über dieselbe Route wieder zurück ins Tal geht.

Schwierigkeit: T3GPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 5

Saisonauftakt am Plansee

Andächtig stehen wir am Ufer des Plansee, im Schatten der altehrwürdigen Kastanienbäume, und lassen unsere Blicke über die wilden Wälder und gewaltigen Gipfel des Ammergebirges schweifen. Eine warme Brise weht durch das Archbachtal herauf, und im türkisblauen Wasser des Sees spiegelt sich die warme Morgensonne.

Während hier unten im Tal der Frühsommer bereits eingezogen ist, sieht das Ganze in den höheren Lagen leider noch anders aus. Obwohl wir bereits Anfang Juni schreiben, türmen sich über 2000 Metern noch immer ungeheure Schneemassen. Wer zurzeit in den Bergen wandern will, muss also notgedrungen kleinere Brötchen backen.

Um eine Schneeschlacht auf alle Fälle zu vermeiden, haben wir uns für unsere heutige Tour den Zwieselberg ausgesucht: einen kleinen, aber feinen Bergrücken am Nordwestufer des Plansee. Dort warten mit dem Schelleskopf (1722m), dem Hochjoch (1823m) und den Soldatenköpfen (1765m) gleich drei selten begangene und hoffentlich schneefreie Gipfel auf uns.

Ein Hochjoch kommt selten allein

Das Hochjoch (1823m) am Plansee ist nicht der einzige Gipfel im Ammergebirge mit diesem Namen. Direkt über dem Südufer des Heiterwanger See befindet sich ebenfalls ein Berg, der Hochjoch (2019m) genannt wird.

Am Hotel Seespitze

Gegen 09:15 Uhr machen wir uns auf den Weg. Langsam trotten wir vom Seeufer wieder zurück zum Auto, das wir direkt neben dem Hotel Seespitze (980m) abgestellt haben. Der kleine Parkplatz (Parkgebühr: 3 Euro) hat sich mittlerweile ordentlich gefüllt, und es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis hier unten so richtig Trubel herrscht. Ohne Zeit zu vertrödeln, schnüren wir die Wanderstiefel, cremen uns noch einmal sorgfältig ein und schultern die spärlich gepackten Rucksäcke.

Der unscheinbare Einstieg

Dem Wanderführer nach beginnt der Weg zum Hochjoch (1823m) am oberen Ende des Campingplatzes, rechterhand eines kleinen Baches. Zielstrebig schlängeln wir uns also zwischen den Wohnwägen und Zelten hindurch, bis wir das Ende der Schotterpiste erreichen. Dort suchen wir aber zunächst erfolglos den Beginn des Wanderweges. Ausgeschildert ist hier weit und breit nichts. Während wir noch etwas ratlos auf und nieder gehen, erbarmt sich glücklicherweise ein etwas älterer Camper und deutet im Vorbeigehen auf die grasige Rampe neben dem Wasserspender: »Da geht’s lang!«

Vielfalt im Bergwald

Ein kurzes »Dankeschön!«, dann verschwinden wir auch schon über die kleine Grasrampe im stillen Bergwald. Lila Kugelblumen, pinke Mehlprimeln, blauer Enzian und Weiße Silberwurz säumen fortan den Weg, und im satt-grünen Gras entdecken wir nicht nur ein paar Weinbergschnecken, sondern zu unserer Freude auch eine Blindschleiche. Begeistert von der Artenvielfalt folgen wir dem leicht ansteigenden Waldpfad immer weiter nach Osten. Dabei werden wir auch schon mit den ersten Blicken auf den Plansee belohnt. Immer wieder blitzt das türkisblaue Wasser zwischen den imposanten Kiefern hervor. »Wie mag da erst die Aussicht vom Kamm aus sein?«

Der Blick vom Zwieselberg auf den Plansee.

Der Plansee ist der zweitgrößte natürliche See Tirols.

Brotzeit an der Hölltalhütte

Nach einer ganzen Serie enger Serpentinen erreichen wir gegen 10:30 Uhr schweißüberströmt die Hölltalhütte (1460m). Umrahmt von einigen majestätischen Fichten thront die alte Jagdhütte auf einer kleinen Lichtung. Im satten Gras vor der Terrasse wippt der Enzian im Wind, und ein paar Käfer surren über das Brennholz hinweg, das man neben dem Eingang aufgeschichtet hat.

Die Hölltalhütte am Plansee.

Die schön gelegene Hölltalhütte lädt zum Verweilen ein.

Zufrieden werfen wir die Rucksäcke ab und fliehen vor der Vormittagssonne erst einmal auf die Veranda. Während wir unseren Proviant herauskramen, wandern unsere Blicke über die rustikale Fassade. Namen und Jahreszahlen, Kürzel und Botschaften überziehen die alten Bretter und Balken, eingeritzt von Wanderern aus vergangenen Tagen. Teilweise reichen die Einträge dieser hölzernen Chronik bis in die 1940er Jahre zurück.

Lange bleiben wir im Schatten der Hütte sitzen, essen und trinken etwas, und wischen uns fluchend einige Zecken von den Beinen. Währenddessen wandert unser Blick immer wieder hinauf zum Kamm, den wir von unserer jetzigen Warte bestens im Blick haben. »Also so ganz schneefrei sieht mir das ja nicht aus«, sagt mein Begleiter mit skeptischem Ton und deutet hinüber zum Hochjoch (1823m). In der Tat blitzt aus dem grünen Latschenteppich das ein oder andere Schneefeld hervor.

Bildergalerie: Schelleskopf & Hochjoch

Der einsame Bergahorn

Nachdem wir unsere Rucksäcke wieder geschultert haben, geht es über schwache Steigspuren und enge Serpentinen weiter den Hang hinauf. Keine 15 Minuten später finden wir uns plötzlich auf einer kleinen Bergwiese wieder, in dessen Herzen ein einsamer Bergahorn sein Dasein fristet. Auf den ersten Blick macht dieser einen ziemlich traurigen Eindruck. Kahl und trostlos streckt er seine Arme in den Himmel. Doch bei genauerem Hinsehen entdecken wir die vielen kleinen Blüten, die aus den Zweigen sprießen. Das Leben kehrt zurück.

Der einsame Bergahorn unterhalb des Schelleskopf.

Ein einsamer Bergahorn überblickt die kleine Bergwiese unterhalb des Schelleskopf.

»Siehst du, wo’s weiter geht?«, ruft mir mein Begleiter fragend zu. Doch auch ich bin zunächst etwas ratlos. Von einem Weg ist hier mal wieder weit und breit nichts zu sehen. Erst nach ein paar Minuten entdecken wir hinter einer Barrikade aus umgestürzten Stämmen und totem Geäst ein paar leichte Steigspuren, die weiter den Hang hinaufführen.

Der Schelleskopf

Schelleskopf
AliasSchelleleskopf
LandÖsterreich
GebirgeAmmergauer Alpen
KammSäulinggruppe
Höhe1722 m
Koordinaten47°29′04″N, 10°47′34″E

Mittlerweile trennt uns nicht mehr viel vom ersten Gipfel der Tour. Während der Hauptweg kurz unterhalb der Gratkante einen scharfen Schlenker nach rechts macht, wo uns in der Ferne das Hochjoch (1823m) bereits entgegen strahlt, wenden wir uns erst einmal nach links und folgen einem schmalen Pfad hinauf zum Schelleskopf (1722m). Wie befürchtet liegt der unscheinbare Gipfel zurzeit noch immer unter einem dicken Panzer aus Schnee und Eis begraben. Nichtsdestoweniger tasten wir uns vorsichtig bis zum höchsten Punkt hinauf. Da es dort aber – abgesehen vom felsigen Haupt des Säuling (2047m) – nicht viel zu sehen gibt, halten wir unseren Gipfelaufenthalt letztlich nur kurz.

Der Blick vom Schelleskopf auf das Hochjoch.

Vom Gipfel des Schelleskopf haben wir das Hochjoch bereits im Blick.

Genuss am Grat

Zurück am Hauptweg richten wir unseren Blick jetzt gen Osten, wo uns das Hochjoch (1823m) als nächstes Gipfelziel erwartet. Was folgt ist der wohl schönste Abschnitt der Tour: Immer kurz unterhalb der Gratkante führen uns schwache Steigspuren durch die schmalen Latschengassen. Linkerhand breitet sich der Ammerwald aus, rechterhand liegen uns Plansee und Heiterwanger See zu Füßen. Langsam aber stetig arbeiten wir uns durch das Latschengewirr, erklimmen steile Schneewehen und umgehen umgestürzte Bäume. Der Winter muss hier oben ordentlich gewütet haben!

Eine Schneewehe auf dem Grat zwischen Schelleskopf und Hochjoch.

Tückisch: Auf dem Weg zum Hochjoch müssen immer wieder Schneewehen erklommen werden.

Das Hochjoch

Hochjoch
LandÖsterreich
GebirgeAmmergauer Alpen
KammSäulinggruppe
Höhe1823 m
Koordinaten47°29′05″N, 10°48′20″E

Gegen 12:30 Uhr stehen wir schließlich vor dem finalen Aufschwung. Eine enge Latschengasse weist uns den Weg hinauf zum langgezogenen Gipfelrücken des Hochjoch (1823m). Obwohl bereits Juni ist, liegen hier oben noch gute zwei Meter Schnee. Doch zumindest das Steinmännchen, das den höchsten Punkt markiert, hat sich bereits von seinem winterlichen Mantel befreien können. Neben einem Gipfelkreuz, das man aus zwei Stöcken und einem Kabelbinder notdürftig zusammengeschustert hat, entdecken wir auch eine robust gebaute Venusfigur in dem kleinen Steinhaufen aus Dolomit.

Die Venusfigur auf dem Gipfel des Hochjoch.

Fescher Gipfelschmuck: Eine Venusfigur versucht die Wanderer auf dem Hochjoch zu verführen.

Laut knirscht der Schnee unter unseren Stiefeln, während wir den restlichen Gipfelgrat abwandern und dabei unsere Blicke über die malerische Bergwelt schweifen lassen.

Im Norden thront der eindrucksvolle Säuling (2048m) über dem flachen Alpenvorland. Nicht minder imposant sind die Geierköpfe (2161m, 2143m, 2060m), die ein Stück weiter östlich ihre schneebekrönten Häupter in den mittlerweile von Cumulus-Wolken gezierten Himmel strecken.

Der Blick vom Hochjoch nach Norden.

Der Blick nach Norden wird vom felsigen Haupt des Säuling dominiert.

Im Osten dominieren die mächtigen Zweitausender des Wettersteingebirges den Blick. Während die Zugspitze (2962m) bereits unter einem leichten Wolkenschleier verschwunden ist, zeigt sich uns der Schneefernerkopf (2875m) noch in seiner vollen Pracht. Auch das weiß-graue Zweigestirn aus Alpspitze (2628m) und Hochblassen (2703m) lässt sich von hier oben unschwer erkennen.

Der Blick vom Hochjoch nach Osten.

Im Osten lassen sich die tief verschneiten Gipfel des Wettersteingebirges erkennen.

Am spektakulärsten ist jedoch der Blick nach Süden, wo uns der türkisblaue Plansee zu Füßen liegt. Durch einen schmalen, im Jahr 1908 erbauten Kanal ist dieser mit dem nicht minder schönen Heiterwanger See verbunden. Beide sind die letzten Überreste eines gigantischen spätpleistozänen bis frühholozänen Schmelzwassersees, der einst bis zum Ehrwalder Kessel gereicht haben soll.

Eingerahmt werden die beiden Seen vom Lichtbrenntjoch (1960m) mit seinen markanten Geröllkegeln, der Kohlbergspitze (2202m) mit ihrer tief verschneiter Nordflanke, dem nach Westen hin abfallenden Dreigestirn aus Hochjoch (2019m), Mitterjoch (1955m) und Kohlbergjoch (1881m), und dem isoliert stehenden Tauern (1841m).

Der Blick vom Hochjoch nach Süden.

Im Süden haben wir den Plansee und den Heiterwanger See bestens im Blick.

Komplettiert wird das Panorama von den Gipfeln der Allgäuer Alpen im Westen, wo sich uns neben der unverkennbaren Leilachspitze (2273m) auch der eindrucksvolle Hochvogel (2592m) zeigt.

Der Blick vom Hochjoch nach Westen.

Im Westen breiten sich die Gipfel der Allgäuer Alpen vor uns aus.

Spontane Planänderung

Für eine Weile schlendern wir noch über den Grat hinweg. Dann sammeln wir uns wieder, um den weiteren Verlauf der Tour zu besprechen. Ursprünglich hatten wir vor, heute den gesamten Zwieselberg zu überschreiten. Doch ein Blick über den weiteren Wegverlauf macht klar, dass aus diesen Plänen vermutlich nichts wird. Um zu den Soldatenköpfen (1765m) zu gelangen, müssten wir in die tief verschneite Nordflanke ausweichen. Wie viel Schnee dort liegt ist von hier oben schwer zu sagen, doch vermutlich sind es mehr als zwei Meter. Ohne lange zu diskutieren, entscheiden wir uns dazu, unsere Überschreitung hier am Hochjoch (1823m) vorzeitig zu beenden.

Der Abstieg

Nach einem schnellen Gipfelfoto vor dem türkisblauen Wasser des Plansee treten wir schließlich den Rückweg an. Da wir die Route mittlerweile kennen, kommen wir äußerst flott voran. Lediglich ein kleiner Sturz beim Abklettern einer Schneewehe, der für mich deutlich glimpflicher als für meinen Trekking-Stock ausgeht, bremst unseren Abstieg kurz aus.

Da uns die Mittagshitze langsam zu schaffen macht, legen wir auf der Bergwiese mit dem einsamen Bergahorn noch einmal eine längere Pause ein. Am Rande der Wiese, wo an einigen Stellen das Dolomitgestein aus dem gräsernen Teppich hervorbricht, setzen wir uns nieder und packen unseren verbleibenden Proviant aus. Ein Segelflieger zieht derweilen seine Bahnen unter dem mittlerweile von Stratocumuli bedeckten Himmel. Als auch das letzte Stück Schokolade gegessen ist, machen wir uns wieder auf den Weg.

Der Abstieg vom Hochjoch.

Mit dem Plansee stets im Blick steigen wir wieder talwärts.

Gegen 15:00 Uhr stehen wir schließlich wieder am oberen Ende des Campingplatzes. Zufrieden stapfen wir hinab zum Auto und schleudern eilig unsere Rucksäcke in den Kofferraum. Dann peilen wir direkt das Restaurant an, wo uns neben einem Almdudler auch ein sonniges Plätzchen auf der Terrasse erwartet.

StationenDistanzDifferenzZeit
Hotel Seespitze
→ Hölltalhütte +2,0 km480 m ↑ 0 m ↓+1h 15m
→ Schelleskopf ✝ +0,8 km262 m ↑ 0 m ↓+0h 50m
→ Hochjoch ✝ +1,1 km133 m ↑ 32 m ↓+0h 55m
→ Hölltalhütte +1,9 km 32 m ↑395 m ↓+1h 05m
→ Hotel Seespitze +2,0 km 0 m ↑480 m ↓+0h 45m
Gesamt 7,8 km907 m ↑907 m ↓4h 50m