Wir haben mehrere Berichte zur Zugspitze (2962m) im Wetterstein:

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Rundtour am Walchensee

Über Heimgarten, Herzogstand und Martinskopf


10. Mai 2014 • Autor: brm.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Überschreitung von Heimgarten, Schlehdorfer Kreuz, Herzogstand und Martinskopf in den Bayerischen Voralpen. Unsere Wanderung beginnt in der Ortschaft Walchensee am Ufer des gleichnamigen Gewässers. Von dort führt uns der Weg zunächst hinauf zum Gipfel des Heimgarten. Anschließend folgen wir dem Grat in östlicher Richtung und passieren dabei das Schlehdorfer Kreuz sowie den Herzogstand. Von dort steigen wir schließlich über den Martinskopf wieder hinab ins Tal.

Schwierigkeit: T2GPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 290

Erschwerte Wegfindung nach wenigen Metern

Ruhig glitzert der Walchensee unter den ersten Sonnenstrahlen, als wir auf den großen Wanderparkplatz am Ortseingang der Ortschaft Walchensee (801m) einbiegen. Das Wetter ist stabil, aber nicht traumhaft. Da wir früh dran sind – es ist noch nicht einmal acht Uhr – sparen wir uns die Gebühren für den Parkplatz, da noch niemand die Kasse bedient. Außer uns sind nur zwei weitere Wanderer auf dem Parkplatz unterwegs.

Bildergalerie: Vom Heimgarten zum Herzogstand

Nachdem wir unsere Rucksäcke geschultert und unsere Wanderschuhe geschnürt haben, werfen wir einen Blick auf die Karte. Da das uns umgebende Gelände durch die Parkplätze, Straßen und die Gondelbahn etwas zerpflückt ist, ist der richtige Weg hier nicht zu erkennen. Auch die Wegweiser geben keine genaue Auskunft. Nur der Weg auf den Herzogstand (1731m) ist genau ausgeschrieben; über diesen wollen wir am Tourende aber nur absteigen. Glücklicherweise erscheint in diesem Moment der Kassier des Parkplatzes, der unsere Unkenntnis wohl bereits aus der Entfernung erkennt und uns den richtigen Weg zuruft. Selbst die Parkgebühr müssen wir nicht zahlen. Netter Kerl! Wir marschieren also gegenüber der Gondelbahn durch zwei liegende Holzstämme hindurch und bei der folgenden Abzweigung nach rechts auf den richtigen Weg.

Die Schlucht lassen wir rechts liegen

Wenige Meter weiter müssen wir links über eine kleine Brücke und dann gleich wieder rechts auf eine schmale Forststraße. Neben uns plätschert ruhig der Deiningbach, der sich unten in den Walchensee ergießt. Der Weg verläuft hier eben. Nach wenigen Minuten überqueren wir den Fluss Rotwandgraben, der sich an eben dieser Stelle mit dem Deiningbach vereint. Ein tolles Plätzchen!

Nachdem wir rund 30 Minuten unterwegs sind, erreichen wir eine Abzweigung. Der Heimgarten (1790m) ist hier bereits angeschrieben und wir folgen dem Weg weiterhin geradeaus nach oben. Alternativ hätten wir noch die Route Zur Schlucht wählen können, da diese aber in einer Sackgasse endet, entscheiden wir uns dagegen.

Selten reißt die Wolkendecke so schön auf.

Ab hier wird der Weg schmaler und steiler. Eine weitere halbe Stunde kämpfen wir uns noch nach oben, ehe wir die vorher erwähnte unbenannte Erhebung bezwungen haben. Wir stehen jetzt zirka auf 1450 Metern Höhe und es geht eben dahin. Nach einer langen Rechtskehre, die uns nach Norden schwenken lässt, machen wir auf einer Bank kurz Rast. Durch die Bäume blitzt hier der Walchensee herauf. Ein toller Blick! Auch können wir von hier aus bereits den Heimgarten (1790m) erkennen, dessen Gipfel aber noch in Wolken getaucht ist.

Der Weg führt ab jetzt leicht abfallend geradeaus in einen kleinen Sattel. Hier behindern kaum Bäume die Sicht und so erkennen wir fast unseren kompletten noch bevorstehenden Teil der Tour: Das Schlehdorfer Kreuz (1640m) blitzt am Kamm aus den Wolken, die Aussichtshütte am Herzogstand (1731m) schaut auf uns herab und auch der Martinskopf (1674m) am vorderen Ende des Kamms ist gut zu erkennen. Die Vorfreude steigt!

Aufstieg und Gipfel-Timelapse

Als wir unten im Sattel angekommen sind – genannt die Ohlstädter Alm (1423m) – beginnt der richtige Aufstieg zum Heimgarten (1790m). Wir sind jetzt zirka eine Stunde und 45 Minuten unterwegs.

Heimgarten
GebirgeBayerische Voralpen
KammWalchenseeberge
Höhe1790 m
Dominanz5,5 km → Simetsberg
Koordinaten47°36′46″N,, 11°16′51″E
KarteKompass 290, Karte 2: A1

Der Aufstieg geht in Serpentinen nach oben und ist nicht sonderlich steil. Durch die vielen Bäume erkennen wir erst spät, dass wir gleich oben sind. Nämlich erst dann, wenn wir direkt vor der Heimgartenhütte (1785m) stehen, die sich knapp unter dem Gipfel befindet. Nach einer dortigen knapp 15-minütigen Rast stiefeln wir die letzten Meter Richtung Gipfel. Vorbei an der Hans-Frei-Hütte, einer Bergwachthütte direkt neben der Heimgartenhütte gelegen, und über Steine hinauf zum Kreuz. Mit Pausen sind wir zirka drei Stunden unterwegs. Leider ist es hier oben so zugezogen, dass wir kaum etwas erkennen können. Daher halten wir uns hier auch nicht lange auf.

Die Heimgartenhütte direkt unter dem Gipfel.

Tolle Gratwanderung

Vom Gipfel des Heimgarten (1790m) finden wir uns sofort auf dem Grat wieder. Der Blick von hier ist fantastisch. Die Wolken hängen am Nordhang des Grats, während der Südhang – unser Weg – frei davon ist. Ein seltener Anblick! Leider müssen wir uns davon auch schnell verabschieden, da der Weg auf besagtem Südhang in Serpentinen stark abfällt. Erst nach wenigen Minuten steigt das Gelände wieder an und wir spazieren auf ebener Strecke wieder auf die Oberseite des Kammes zu. Der Weg ist leicht zu begehen und bietet kaum Schwierigkeiten. Als wir den Kamm wieder erreichen, bietet sich uns das Schauspiel mit den Wolken wieder. Und im Tal erkennen wir den Walchensee. Malerisch! Wir genießen den Ausblick und wandern dann weiter Richtung Schlehdorfer Kreuz (1640m). Hier oben ist es bereits deutlich zu erkennen, dass der Berg stark vom Tourismus geprägt ist, denn es kommen uns zahlreiche Wanderer entgegen. Selbst ein Läufer zieht in flottem Tempo an uns vorbei.

Beeindruckend hängen die Wolken am Hang fest.

Das Kreuz des Schlehdorfer Kreuz

Schlehdorfer Kreuz
GebirgeBayerische Voralpen
KammWalchenseeberge
Höhe1640 m
Dominanz0,7 km → Herzogstand
Koordinaten47°36′53″N, 11°18′00″E
KarteKompass 290, Karte 2: A1

45 Minuten nach Aufbruch vom Heimgarten (1790m) blitzt links von uns durch die Latschen das Kreuz des Schlehdorfer Kreuz (1640m) auf. Wir müssen aber erst unterhalb dieser Erhebung vorbei, ehe wir über einen schmalen, unauffälligen Weg zum Ziel vorstoßen können. Dort angekommen genießen wir den Blick: Im Westen der Heimgarten, im Osten der Herzogstand (1731m) – unser nächstes Ziel – und im Südosten der Martinskopf (1674m). Und direkt vor uns im Tal der Walchensee. Selbst unser Parkplatz ist zu erkennen und somit ist auch der bisherige Weg vom Auto bis hierher gut nachzuvollziehen.

Eine Erhebung mitten am Grat: das Schlehdorfer Kreuz.

Das Ziel ist nah

Anschließend folgen wir weiter dem Gratweg, der uns bereits vom Heimgarten (1790m) bis hierher führte. Die Aussichtshütte auf dem Herzogstand (1731m) ist bereits gut zu sehen.

Herzogstand
GebirgeBayerische Voralpen
KammWalchenseeberge
Höhe1731 m
Dominanz2,1 km → Heimgarten
Koordinaten47°36′48″N, 11°18′30″E
KarteKompass 290, Karte 2: A1

Die letzte Erhebung – hier wird es etwas steiniger – meistern wir mit einem letzten Kraftakt und stehen schließlich an der Abzweigung zur Aussichtshütte. Dort wenden wir uns nach links und wenige Sekunden später stehen wir auf der Veranda. Leider ist die Sicht hier aufgrund der dichten Wolkendecke schlecht und wir setzen uns nur auf einen nahegelegenen Fels für eine kurze Brotzeit.

Öha... noch ein Gipfel

Nach wenigen Minuten brechen wir wieder auf und kehren zur Abzweigung zurück. Dort halten wir uns nach links und folgen dem abfallenden Weg. Der Einfluss der nahegelegenen Seilbahn ist hier nicht mehr zu übersehen, denn scharenweise finden sich hier Touristen aus aller Herren Länder. Nach wenigen Minuten – unser Weg geht in einer Kehre rechts weg – taucht vor uns ein Gipfelkreuz aus den Wolken auf. Es ist das Kreuz des Herzogstand (1731m), das aber kurioserweise etwas tiefer liegt als die Aussichtshütte. Wir halten uns auch gar nicht lange damit auf, klatschen nur kurz ab und wenden uns dem vierten und letzten Gipfel zu.

Abstieg entgegen der Touristenströme

Wir steigen in den Bergsattel zwischen dem Herzogstand (1731m) und dem Martinskopf (1674m) ab. Die von der Seilbahn herauf geschaufelten Touristen behindern uns dabei etwas, weswegen wir nur langsam vorwärts kommen. Nichtsdestotrotz gelangen wir nach einer Viertelstunde unten an und machen uns auch sogleich wieder auf zum Martinskopf.

Ungewöhnlicher Aufstiegsweg

Wir halten uns stark rechts, kommen an einer Bank vorbei und entdecken einen schmalen Pfad. Ausgeschrieben ist dieser zwar nicht, aber der Martinskopf (1674m) ist ja eine sehr überschaubare Erhebung. Dennoch bereuen wir unsere Entscheidung schnell. Denn dieser Weg wurde lange nicht benutzt und gepflegt. Äste und Gräser hängen in den Weg und an manchen Stellen haben Erdrutsche dazu geführt, dass der Weg sehr schlammig ist. Es ist zwar nicht gefährlich – dafür ist der Berg zu wenig steil und steinig – aber dennoch ist Konzentration gefordert.

Serpentinenartig führt der Weg auf den Pavillion am Herzogstand.

Martinskopf
GebirgeBayerische Voralpen
KammWalchenseeberge
Höhe1674 m
Dominanz0,5 km → Herzogstand
Koordinaten47°36′33″N, 11°18′32″E
KarteKompass 290, Karte 2: A1

Nach zwanzig Minuten haben wir es geschafft und treffen am Gipfel und am Normalweg ein. Die Aussicht auf die umliegenden, noch schneebedeckten Berge und den Walchensee ist fantastisch. Selbst die Zugspitze (2962m) und den Daniel (2340m) erkennen wir. Wir genießen es und steigen dann über den Normalweg ab. Unten angekommen rüsten wir uns für den finalen Abstieg.

Langer und zäher Abstieg

Am Berggasthaus Herzogstand (1557m) vorbei – ein Schild weist darauf hin, dass unser Abstiegsweg nur für geübte Wanderer machbar ist – geht es gleich steil nach unten. Hier im Wald ist der Regen noch nicht getrocknet und es ist stellenweise glitschig. Der Weg ist aber ansonsten nicht sehr schwer. Dafür aber eintönig, da die Bäume zumeist die eigentlich gute Sicht auf den Walchensee versperren. Daher sind wir froh, als ein Junggesellinnenabschied vorbeikommt und von uns eine Unterschrift verlangt. Etwas Erheiterung! Nach knapp 45 Minuten schließlich unterqueren wir die Seilbahn und nach weiteren 15 Minuten lichtet sich der Wald etwas und wir bekommen doch noch unsere Sicht auf den See. Toll!

Eine weitere Viertelstunde später – wir sind jetzt insgesamt sechs Stunden und 35 Minuten unterwegs – stehen wir dann vor dem Auto. Wir werfen unsere Wandersachen in den Kofferraum und begeben uns noch zum See, wo wir die Tour bei einem Eis und kühlen Füßen ausklingen lassen.

Die Gondeln bringen die Touristen auf den Berg.

Zusammenfassung

Für diese Jahreszeit – wir waren im Mai unterwegs – eine tolle Tour. Die Touristenströme sind noch nicht so enorm wie im Sommer und dennoch ist kein Schnee mehr am Berg. Außerdem bietet fast jeder Punkt der Tour eine tolle Sicht auf die umliegenden Berge. Zwar kann man die Tour auch andersherum gestalten, wir empfehlen aber die hier beschriebene Variante, da der Aufstieg am Herzogstand doch sehr zäh und eintönig ist. Dieser sollte daher eher als Abstiegsweg genutzt werden. In Sachen Erfahrung und Kondition ist diese Tour im unteren Bereich einzuordnen.

StationenDistanzDifferenzZeit
Walchensee
→ Heimgarten ✝ +5,9 km1045 m ↑59 m ↓+2h 50m
→ Schlehdorfer Kreuz ✝ +1,7 km57 m ↑207 m ↓+0h 45m
→ Herzogstand ✝ +1,0 km121 m ↑30 m ↓+1h 10m
→ Martinskopf ✝ +1,5 km55 m ↑112 m ↓+0h 25m
→ Walchensee +5,2 km17 m ↑887 m ↓+1h 15m
Gesamt 15,3 km1295 m ↑1295 m ↓6h 35m