Mountain

Filmkritik


04. August 2019 • Autor: red.


»Was ist es, das uns nach oben drängt, dieser Sirenengesang des Gipfels?« In Mountain widmet sich die australische Dokumentarfilmerin Jennifer Peedom genau dieser Frage. Wieso werden wir von den Bergen so magisch angezogen, dass wir teilweise sogar dazu bereit sind, unser Leben für sie aufs Spiel zu setzen?

Willem Dafoe, der uns in Mountain als Erzähler begleitet, erklärt gleich zu Beginn des Films, dass der fast schon selbstzerstörerische Drang des Bergsteigens ein relativ neues Phänomen ist. Noch vor dreihundert Jahren hätte man die Besteigung eines Gipfels als einen Akt des Wahnsinns abgetan. Damals betrachtete man das Gebirge noch als das Reich der Götter und Monster – als »einen Ort der Gefahr, und nicht der Schönheit«.

Doch nach und nach verschwanden die Götter und Monster aus unserer Vorstellung. Getrieben von unstillbarer Abenteuerlust machte man sich daran, die letzten weißen Flecken auf der Landkarte zu erkunden und zu unterwerfen. Die Berge wurden zunächst studiert und kartographiert, dann von Bergsteigern belagert, und schließlich für den Tourismus gezähmt und kommerzialisiert.

Auch wenn der Respekt vor den Bergen dabei zunehmend verloren ging, bleibt ihre Faszination bis heute ungebrochen. »Sie ändern unser Selbstwahrnehmung, widerstehen unserer Willenskraft, stellen sich unserer Arroganz entgegen, und hauchen unserem Staunen neues Leben ein.«

Nach ihrem Überraschungserfolg Sherpa – Trouble on Everest begibt sich Regisseurin Jennifer Peedom mit Mountain erneut auf eine filmische Entdeckungsreise in die Welt der Berge. Unterstützt wird sie dabei nicht nur von Schriftsteller Robert Macfarlane, dessen Bestseller Mountains of the Mind dem Film als Vorlage dient, sondern auch von Renan Ozturk, der sich für die imposante Kinematographie verantwortlich zeigt. Gekonnt vermischt dieser selbstgedrehte Landschaftsaufnahmen aus aller Welt mit altem Archivmaterial und zeitgenössischen Videoclips bekannter Bergsportler. So finden neben den Everest-Pionieren George Mallory und Edmund Hillary auch Alex Honnold, Jeb Corliss und Danny MacAskill ihren Platz. Untermalt wird die abwechslungsreiche Bilder-Collage vom Australischen Kammerorchester, das neben klassischen Kompositionen auch neue Stücke von Richard Tognetti zum Besten gibt.

Das Team um Peedom hat mit Mountain keine gewöhnliche Dokumentation geschaffen. Vielmehr handelt es sich bei dem kollaborativen Werk um eine bildgewaltige Liebeserklärung, ja, eine Ode an die Berge. Statt auf einen traditionellen Spannungsbogen legt Peedom dabei den Fokus vor allem auf das Audio-Visuelle. Immer wieder wird der Zuschauer minutenlang mit den collagenhaft aneinandergereihten Naturaufnahmen von Ozturk und der fesselnden Musik des Australischen Kammerorchesters alleine gelassen. Willem Dafoe, der als Erzähler Macfarlanes poetisch-philosophischer Prosa seine Stimme leiht, kommt hingegen nur selten zu Wort. Die Bilder sollen für sich sprechen. Das Resultat ist eine fast schon meditative Bilderreise, die nicht nur Extremsportler und Bergsteiger begeistern wird.

Titel: Mountain • Spielzeit: 74 Minuten • Freigabe: ab 6 Jahren • Release: 2017