Wir haben mehrere Berichte zum Tunnel Mountain (1692m) in den Canadian Rockies:

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Ein kanadisches Wintermärchen

Die Besteigung des Sanson Peak


11. November 2013 • Autor: red.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung des Sanson Peak in den kanadischen Rockies. Meine Winterwanderung beginnt an der Talstation der Banff Gondola, unweit der heißen Quellen (Banff Upper Hot Springs). Von dort führt mich ein breiter Forstweg hinauf zum gut erschlossenen Gipfel. Nach einer kleinen Pause an der ehemaligen Wetterstation fahre ich schließlich mit der Seilbahn wieder hinunter ins Tal.

Schwierigkeit: WT2GPS-Route: Download

Feststimmung in Banff

Es ist mein letzter Tag in Banff (1399m). Bereits seit drei Tagen befinde ich mich in dem beschaulichen Bergort, tief im Herzen des Banff Nationalparks. Bisher habe ich meine Zeit vor allem mit kleinen Schnuppertouren entlang des halbgefrorenen Bow Rivers und gemütlichen Stadtspaziergängen durch die geschäftigen Straßen Banffs verbracht. Doch mit der Besteigung des Tunnel Mountain (1692m) konnte ich auch schon einen ersten Gipfelerfolg verbuchen. Heute – am Remembrance Day – möchte ich noch eine Schippe drauflegen. Während ein Festtagsumzug mit Musik über die Main Street flaniert, peile ich erst einmal ein Outdoor-Geschäft an und leihe mir für eine Handvoll Dollar ein paar Trekkingstöcke aus. Man weiß ja nie.

Erstmal Bus fahren

Da mein heutiges Tagesziel – der Sanson Peak (2256m) am Sulphur Mountain (2451m) – etwas außerhalb der Ortschaft selbst liegt, wende ich mich zunächst der nächstbesten Bushaltestelle zu. Man könnte zwar auch zu Fuß zum Fuß des Berges gehen, doch der Weg ist lang und führt über eine viel befahrene, enge Bergstraße. Das wäre bei der jetzigen Witterung eine tollkühne Unternehmung. Und so warte ich lieber gemütlich an der Main Street, bis der Bus #1 (Richtung Sulphur Mountain) des Banff Roam Bus Service eintrudelt. Dieser bringt mich in zirka zehn Minuten zu meinem Ausgangspunkt: die Banff Gondola Station unweit der heißen Quellen.

Bildergalerie: Sanson Peak

Der Aufstieg

Dort mümmel ich mich erst einmal in meine Bergjacke und streife mir die Handschuhe über. Obwohl das Wetter traumhaft schön ist, sind die Temperaturen mal wieder jenseits von Gut und Böse – also tief unter dem Gefrierpunkt. Aber gut, im November ist das natürlich auch keine große Überraschung. Von der Bushaltestelle ist der Einstieg zum Sulphur Mountain (2451m) bereits ausgeschildert. Ich überquere einen Parkplatz und biege auf einen Trampelpfad in den Wald ein. Der Weg ist anfangs steil, aber trotz Schnee gut zu begehen. Über den breiten Pfad geht es von nun an in unzähligen Serpentinen nach oben. Außer ein paar anderen Wanderern gibt es beim Aufstieg allerdings relativ wenig zu sehen. Der dichte Wald versperrt mir die meiste Zeit den Blick auf die majestätischen Rockies.

Der Höhepunkt der Wanderung

Sanson Peak
GebirgeCanadian Rockies
KammSouth Banff Ranges
Höhe2256 m
Dominanz1,2 km →
Sulphur Mountain (1st Peak)
Koordinaten51°08′48″N, 115°34′42″W

Nach 90 Minuten ist es geschafft und ich passiere den obersten Pfeiler der Gondelstation, die sich auf dem Gipfelplateau befindet. Hier oben befindet sich auch eine Gaststätte und ein schöner, hölzerner Panoramaweg zum Sanson Peak (2256m). Dieser für Touristen ausgelegte Weg ist nun auch mein Ziel. Über einige Treppenstufen auf und ab erreiche ich schließlich die meteorologische Station von Norman Bethune Sanson, welche auf dem höchsten Punkt steht. Der kanadische Kurator bestieg diesen Gipfel mehr als 1000 Mal, und ein putziges Häuschen erinnert auch heute noch an seine Leistungen.

Das Bow Valley breitet sich im Nordwesten vor mir aus.

Was für ein Ausblick

Auch wenn der Aufstiegsweg relativ unspektakulär war, so zeigt sich vom Gipfel nun ein ganz anderes Bild. Eine unglaubliche Aussicht breitet sich vor meinen Augen aus, und ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll. Nicht nur habe ich von hier oben einen hervorragenden Blick auf Banff, welches mit seinen winzigen Häusern fern im Tal liegt, sondern auch auf den Tunnel Mountain (1692m). Doch dieser ist im Vergleich zu den anderen Giganten der Rocky Mountains, die nun in meinen Blick fallen, eher lächerlich. Wohin man nur sieht ragen die Zweitausender und Dreitausender in der unberührten Schneelandschaft dem Himmel entgegen. Vor allem der markante Mount Rundle (2948m) und der Cascade Mountain (2998m) fallen mir sofort ins Auge. Majestätisch ruhig durchzieht der Bow River die Talzunge, und auch Lake Minnewanka zeigt sich in der Ferne.

Im Nordosten prägt der mächtige Cascade Mountain das Bild.

Hinab ins Tal

Nach einigen Minuten kehre ich zurück zum Gipfelplateau. Im Sommer könnte ich hier am Grat des Sulphur Mountain (2451m) weitergehen und noch einige Zweitausender-Gipfel abstauben. Bei den jetzigen Schneeverhältnissen ist dies aber leider nicht möglich. Somit wende ich mich nun der Seilbahnstation zu. Zu meiner positiven Überraschung ist die Fahrt ins Tal umsonst. Nochmal Glück gehabt! Gemeinsam mit einem deutschen Geschäftsmann fahre ich hinunter ins Tal. Im Souvenirladen kaufe ich mir noch schnell ein Getränk und warte auf meinen Bus.

Fazit

Der Sanson Peak ist ein leichter und doch lohnenswerter Gipfel. Wer nicht mit der Gondel bis ganz nach oben fährt, der kann auch problemlos über einen breiten Serpentinenpfad gemütlich zum Gipfelplateau spazieren. Dabei sind weder technisch noch konditionell große Hürden zu nehmen. Oben wartet dann ein schöner Panoramaweg auf den Wanderer, welcher einige tolle Motive bietet. Somit ist der Sanson Peak – trotz des eher langweiligen Aufstiegs – eine interessante Tour.

StationenDistanzDifferenzZeit
Talstation Banff Gondola
→ Bergstation +5,0 km685 m ↑0 m ↓+1h 30m
→ Sanson Peak ✝ +0,6 km32 m ↑12 m ↓+0h 10m
→ Bergstation +0,6 km12 m ↑32 m ↓+0h 10m
Gesamt 6,2 km729 m ↑44 m ↓1h 50m