Übersicht
Dieser Bericht behandelt die Besteigung des Pico Torrecilla in der Sierra de las Nieves. Meine Tour beginnt am Parkplatz des Refugio de los Quejigales. Von dort wandere ich leichten Pfades bis zum Puerto de los Pilones, wo ich mein Nachtlager aufschlage. Am folgenden Tag geht es weiter bis zum Gipfel der Torrecilla. Anschließend kehre ich über dieselbe Route wieder zurück zu meinem Auto.
Andalusien im Zeitraffer
(In Kooperation mit APTP)
Unser Andalusien-Aufenthalt neigt sich langsam dem Ende entgegen. Mein Partner ist mittlerweile aus beruflichen Gründen wieder abgereist und so verbringe ich die letzten Tage alleine in Spanien. Für heute habe ich mir vorgenommen, La Torrecilla (1919m) – den höchsten Berg der Sierra de las Nieves – zu besteigen. Da ich bereits recht spät dran bin, werde ich unterwegs zum Gipfel wohl übernachten müssen. Aber darauf habe ich mich eingestellt.
Die Zufahrt zur Sierra de las Nieves führt mich von der sehenswerten Kleinstadt Ronda zunächst auf die A-397. Nach circa 14 Kilometern zweigt schließlich eine kleinere Straße namens Camino de Cajigales nach links ab. Es kommt noch ein Campingplatz (Camping Municipal Conejeras), ehe der Weg in eine Schotterpiste übergeht. Dieser folge ich bis zu einer Schranke, vor der ein kleiner Parkplatz liegt. Falls möglich, bis zum Refugio de los Quejigales (1290m) weiterfahren! Denn dort beginnt erst der eigentliche Pfad zur Torrecilla (1919m).
In meinem Fall stehen leider gerade die Parkwächter mit ihrem Jeep an der Schranke und signalisieren mir, dass ich mein Auto am Parkplatz abstellen soll. Dies tue ich schweren Herzens und lege somit nun die restlichen drei Kilometer bis zum Ausgangspunkt mit meinem 20 Kilogramm schweren Rucksack in der sengenden Nachmittagshitze zu Fuß zurück. Ich kann mit einem Augenzwinkern nur empfehlen, sich der spanischen Mentalität anzupassen und nicht auf alle Regeln Acht zu geben. Also, wenn möglich, Schranke auf und weiter geht’s!
Als ich endlich am Quejigales (1290m) ankomme, steht die Sonne schon tiefer, und ich bin mir nicht sicher, ob ich wie geplant den Sonnenuntergang am Gipfel noch genießen kann. Daher gehe ich ohne lang zu zögern weiter und folge der »Hauptstraße«, wo mir schon bald ein paar Pferde begegnen.
Nach ein paar Metern führt eine kleine Holzbrücke über einen ausgetrockneten Bachlauf und mündet anschließend in einem schmalen Wanderpfad. Es fällt auf, dass die Landschaft hier deutlich grüner als am Mulhacén (3482m) ist und auch einige Bäume meinen Weg säumen, so dass ich lange Zeit im Schatten eines kleinen Waldes mein Wanderdasein fristen muss. Mittlerweile spornt mich die untergehende Sonne zu Höchstleistungen an und ermöglicht es mir, schnell bis zum Puerto de los Pilones (1700m) vorzudringen. Nicht weit von hier steht ein Gebäude mit einem großen Sendemast.
Der Weg zur Torrecilla führt durch eine abwechslungsreiche Landschaft.
Die Hälfte des Weges ist geschafft! Der Wald hat sich gelichtet und mir offenbart sich nun eine wunderschöne Landschaft: Im Westen kann man die Kleinstadt Ronda sehen, während im Süden das Mittelmeer und im Osten mein Ziel, der Pico Torrecilla (1919m), zu erkennen sind. »Herrlich!« Einziger Wermutstropfen: Die Sonne steht mittlerweile schon so tief, dass die vollständige Besteigung heute nicht mehr möglich ist. Und so beginne ich, nach einer Übernachtungsmöglichkeit zu suchen.
Doch was ist das? Zu allem Überfluss kommt mir auf der Schotterpiste, die zum Antennengebäude führt, ein mir durchaus bekannter Jeep entgegen: die Ranger! Sie fangen mich ab und fragen neugierig, was ich denn hier oben mache. Nachdem Halbwahrheiten häufig ein probates Mittel sind, stelle ich mich als Fotograf vor, der für Webseiten Berichte verfasst. Wir kommen weiter ins Gespräch und ich bemerke, dass die Parkwächter sehr freundlich sind und in meiner Anwesenheit überhaupt kein Problem sehen. Im Gegenteil: Sie fragen mich, ob ich hier irgendwo übernachten wolle. Nachdem ich dies bejaht habe, werden mir sogar Tipps zur Verfügung gestellt. Das Gebäude sei perfekt geeignet, um den Wind abzuhalten. Sie würden mir empfehlen, auf der windabgelegenen Seite zu schlafen. Somit geselle ich mich mit ihnen zum Gebäude und nehme mein Abendmahl ein. Währenddessen füttern die Parkwächter ganze Scharen an herbeiströmenden Ziegen und hängen einer von ihnen eine Glocke um, um die Herde am nächsten Tag wiederfinden zu können.
Am Puerto de los Pilones treffe ich wieder auf die Ranger.
Da sich die Sonne nun endgültig dem Horizont nähert, beginne ich meine »berufliche Tätigkeit« und widme mich meiner Kamera. Selten habe ich einen so friedlichen und angenehmen Sonnenuntergang betrachten können wie heute Abend. Nachdem sich die Sonne verabschiedet hat, machen es die Ranger ihr gleich und lassen mich alleine in der Wildnis zurück. Ich genieße noch einmal die magische Stille dieses wunderbaren Ortes und versuche dann zu schlafen. Zuerst muss ich jedoch noch die Ziegen verscheuchen, die sich immer wieder neugierig um meinen Rucksack versammeln und bei der leisesten Bewegung gleich zusammenzucken. Als ihnen bewusst wird, dass ich ihren Hunger nicht befriedigen kann, wenden sie sich schließlich enttäuscht ab und lassen mich meinen Träumen nachhängen.
Die Sonne versinkt langsam hinter dem Horizont.
Einfach war es, eine passende Schlafstelle zu finden. Diese beizubehalten, jedoch weniger. Da der kalte Wind regelmäßig dreht, muss ich mehrmals die Gebäudeseite wechseln. Zudem will ich heute das klare Himmelsfirmament nutzen, um meiner Passion – der Fotografie – nachzugehen. Die Nacht sieht so aus: Kamera aufstellen, um mehrere Timelapse der Sterne und des Mondes zu erstellen. Dies dauert zwischen zwei und drei Stunden pro Sequenz. Dazwischen wird geschlafen und, falls notwendig, der Schlafplatz gewechselt. Dieses Prozedere geht heute Nacht drei-, viermal von statten.
Eine sternenklare Nacht raubt mir fast den Schlaf.
Kurz vor Sonnenaufgang fühle ich mich trotzdem recht wach und kann auch hier die Kamera in Stellung bringen. Kurze Zeit später kommen auch meine Rangerfreunde wieder, setzen ihre Arbeit fort und erkundigen sich, ob ich die Nacht gut verbracht habe. Anschließend gönne ich mir noch ein abwechslungsreiches Frühstück aus Obstriegeln, ehe ich meinen Marsch fortsetze.
Die ersten Sonnenstrahlen streifen über die Gipfel der Sierra de las Nieves.
Pico Torrecilla | |
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Land | Spanien |
Gebirge | Sierra de las Nieves |
Höhe | 1919 m |
Koordinaten | 36°40′33″N, 04°59′46″W |
Der weitere Weg führt mich nun an schönen Wiesen und interessanten Felsformationen entlang, wobei ich regelmäßig auf Ziegenherden stoße, die ob meiner Anwesenheit leicht verunsichert scheinen. Herausfordernd ist jedoch auch dieser Abschnitt des Pfades nicht wirklich, auch wenn es der Schlussanstieg doch nochmal in sich hat. Binnen 90 Minuten lege ich den restlichen Weg zurück und erklimme den Gipfel der Torrecilla (1919m). So anspruchslos der Weg auch ist, der Ausblick kann sich wirklich sehen lassen! Und da ich sehr früh auf den Beinen bin, fehlen Gott sei Dank noch die typischen Touristenmassen, so dass ich mich am Gipfelerlebnis in Ruhe erfreuen kann. Mit einem schönen Rundumblick auf die Sierra de las Nieves, die im Sommer grün-gelb erstrahlt, und das ruhige Mittelmeer kann ich meine Spanienreise beschließen. Für einige Minuten genieße ich noch die herrliche Aussicht, dann kehre ich über dieselbe Route wieder zu meinem Auto zurück.
Vom Gipfel bietet sich ein fantastischer Blick über die Cordillera Penibética.
Stationen | Distanz | Differenz | Zeit | |
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Refugio de los Quejigales | ||||
→ Puerto de los Pilones | +2,9 km | 410 m ↑ | 0 m ↓ | +1h 45m |
→ Pico Torrecilla ✝ | +4,3 km | 309 m ↑ | 90 m ↓ | +1h 30m |
→ Puerto de los Pilones | +4,3 km | 90 m ↑ | 309 m ↓ | +1h 05m |
→ Refugio de los Quejigales | +2,9 km | 0 m ↑ | 410 m ↓ | +1h 20m |
Gesamt | 14,4 km | 809 m ↑ | 809 m ↓ | 5h 40m |