Nachtschwärmerei über Bayrischzell

Auf Kesselwand, Soinwand und Lacherspitz


04./05. Juli 2015 • Autor: red.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung der Kesselwand, der Soinwand und der Lacherspitz in den Bayerischen Voralpen. Unsere zweitägige Wanderung beginnt spät abends in Bayrischzell und führt uns über das Bergcafé Siglhof und die Wendelsteinalm zunächst hinauf zum Gipfel der Kesselwand. Nach einer sternenklaren Nacht auf 1700 Metern besteigen wir am zweiten Tag unserer Tour auch noch die nahegelegene Soinwand sowie die Lacherspitz, ehe es über die Aufstiegsroute wieder hinab ins Tal geht.

Schwierigkeit: T2GPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 8

Eine Nacht im Wendelsteinmassiv

Es ist ein traumhafter Sommerabend im Leitzachtal, als wir mit unserem Auto in Bayrischzell (800m) eintrudeln. Die Straßen des kleinen Luftkurorts sind heute wie leer gefegt, und eine laue Brise weht von den Bergen herab. Vor zwei Monaten waren wir bereits schon einmal hier, um einige Gipfel im Schatten des Wendelstein (1838m) zu erklimmen – und auch heute zieht es uns wieder in das abwechslungsreiche Massiv im Herzen des Mangfallgebirges. Diesmal sogar für zwei Tage! Da zurzeit die Temperaturen selbst nachts noch sommerlich warm sind, wollen wir heute eine Nacht im Freien verbringen und auf einem Bergkamm biwakieren.

Imposant thront das Wendelsteinmassiv über der Gemeinde Bayrischzell.

Auf altbekannten Pfaden

Die Sonne ist schon fast hinter dem Horizont versunken, als wir unser Auto am Bahnhof der verschlafenen Gemeinde abstellen. Es ist zwar glücklicherweise immer noch erstaunlich hell, doch da wir heute noch einen langen Aufstieg vor uns haben, drängt die Zeit ein wenig. Hastig packen wir unsere gut gefüllten Rucksäcke und setzen uns sogleich in Bewegung.

Vom Bahnhof wenden wir uns zunächst nach Westen und biegen auf die Kranzerstraße ein. Diese führt uns in nördlicher Richtung direkt zum Beginn des Wanderweges. Nach einem kurzen Exkurs zu den Wasserfällen des Legerwaldgraben folgen wir schließlich einem schmalen Waldpfad hinauf zum Bergcafé Siglhof (990m). Schön thront das gut besuchte Gasthaus über einer herrlichen Sommerwiese. Am liebsten würden wir uns jetzt auf der Terrasse einen Platz suchen und den Abend entspannt mit einem Bier ausklingen lassen. Doch es hilft alles nichts, wir müssen weiter!

Kurz vor dem Bergcafé Siglhof lichtet sich der Wald.

Unbeirrt setzen wir unseren Aufstieg über breite Forststraßen und schmale Trampelpfade fort. Dabei passieren wir nicht nur die urige Siglhütte (1321m), sondern kurz darauf auch die geschäftige Wendelsteinalm (1420m). Von hier aus haben wir nun den mächtigen Gipfelaufbau des Wendelstein (1838m) bereits bestens im Blick. Für einige Minuten schlendern wir noch auf den beeindruckenden Felsklotz zu, bis wir schließlich eine Weggabelung im Schatten der Südwand erreichen. Links geht es zum gut erschlossenen Gipfel des Wendelstein mit all seinen Gebäuden, rechts zum eher urtümlichen Sattel zwischen Kesselwand (1721m) und Lacherspitz (1724m). Da wir diese beiden Gipfel bei unserem letzten Ausflug aufgrund der Schneelage leider auslassen mussten, wenden wir uns nach rechts. Über einen wilden Trampelpfad geht es nun noch einmal steil bergauf, bis wir schließlich nach wenigen Minuten den grasigen Sattel unweit der Lacherlift-Bergstation erreichen.

Die felsige Kesselwand ist unser erstes Gipfelziel.

Im Dämmerlicht auf die Kesselwand

Kesselwand
GebirgeBayerische Voralpen
KammMangfallgebirge
Höhe1721 m
Dominanz0,3 km → Soinwand
Koordinaten47°42′06″N, 12°01′17″E
KarteKompass 8: G2

Mittlerweile wird es schon ziemlich dunkel. Doch einen Gipfel wollen wir uns heute noch holen. Spontan entscheiden wir uns für die eindrucksvolle Kesselwand (1721m) zu unserer Linken. Mit einem beherzten Schritt übersteigen wir ein kleines Holzgatter und folgen anschließend einem schmalen Pfad nach Norden. Kurz bevor wir den Sattel zwischen Kesselwand und Soinwand (1756m) erreichen, macht der Weg schließlich eine scharfe Wendung und führt uns nun direkt auf das Gipfelkreuz zu. Über brösligen Fels geht es nun die letzten Meter hinauf zum einsamen Gipfel.

Als wir den Gipfel erreichen, ist es schon ziemlich dunkel geworden.

Im letzten Dämmerlicht des Tages können wir nun nochmal einen großartigen Blick ins Umland werfen. Während der mächtige Gipfelaufbau des Wendelstein (1838) den Blick gen Westen dominiert, können wir im Norden die einsame Soinwand (1756m) und dahinter das flache Alpenvorland erkennen. Im Osten zeigt sich uns nicht nur das Wildalpjoch (1720m) und die Seewand (1664m), sondern auch die Soinalm (1420m) mit dem idyllisch gelegenen Soinsee. Komplettiert wird das Panorama durch die Lacherspitz (1724m) und den Großen Traithen (1852m) im Süden. Herrlich!

Bildergalerie: Kesselwand, Soinwand & Lacherspitz

Eine sternenklare Nacht

Mittlerweile mit Stirnlampen bewaffnet setzen wir uns schließlich wieder in Bewegung. Nachdem wir den düsteren Abstieg von der Kesselwand (1721m) heil überstanden haben, machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort für unser Nachtlager. Auf dem grasigen Kamm zwischen Kesselwand und Soinwand (1756m) werden wir zum Glück schnell fündig. Da der Himmel klar und die Nacht warm ist brauchen wir heute nicht einmal ein Zelt. Der Schlafsack genügt. Umringt von einigen Glühwürmchen studieren wir noch eine Zeit lang den Sternenhimmel und zählen Sternschnuppen. Während im Süden langsam der Mond vorüberzieht und sich im Norden ein kleines Gewitter über Bad Feilnbach entlädt, übermannt uns schließlich der Schlaf.

Der Nachthimmel über dem Wendelstein ist sternenklar.

Ein Sonnenaufgang auf der Soinwand

Soinwand
GebirgeBayerische Voralpen
KammMangfallgebirge
Höhe1756 m
Dominanz0,7 km → Wendelstein
Koordinaten47°42′18″N, 12°01′17″E
KarteKompass 8: G2

Kurz vor 5 Uhr morgens werden wir vom lauten Schnaufen einiger Gämsen unsanft geweckt. Noch leicht verträumt schälen wir uns aus unseren Schlafsäcken und gönnen uns erst einmal eine kleine Brotzeit. Während der Wendelstein (1838m) im Westen noch in Dunkelheit gehüllt ist, zieht im Osten langsam die Dämmerung auf. Doch bis zum Sonnenaufgang haben wir noch ein paar Minuten. Diesen wollen wir von der nahegelegenen Soinwand (1756m) beobachten. Gemütlich schlendern wir über einen schmalen Trampelpfad auf den unscheinbaren Gipfel zu. Keine zehn Minuten später ist es dann auch schon geschafft! Zufrieden klatschen wir das große Gipfelkreuz ab und warten darauf, dass die Sonne endlich hinter dem Chiemsee hervorbricht. Was für ein Anblick! Für einige Minuten beobachten wir das Naturschauspiel. Dann wird es Zeit, langsam wieder abzusteigen.

Von der Soinwand beobachten wir, wie die Sonne langsam hinter dem Chiemsee empor steigt.

Krönender Abschluss auf der Lacherspitz

Lacherspitz
GebirgeBayerische Voralpen
KammMangfallgebirge
Höhe1724 m
Dominanz0,7 km → Soinwand
Koordinaten47°41′57″N, 12°01′23″E
KarteKompass 8: G2

Nachdem wir unser Nachtlager abgebaut haben, nehmen wir zu guter Letzt noch die Lacherspitz (1724m) ins Visier. Über die Ostflanke der Kesselwand (1721m) kehren wir zunächst zurück zum grasigen Sattel. Hinter der Bergstation des Lacherlifts wartet bereits ein gelber Wegweiser, der uns auf den richtigen Weg lotst. Ein schmaler Trampelpfad führt uns nun in wenigen Minuten zwischen einigen Latschen hinauf zum felsigen Gipfel der Lacherspitz. Der Weg ist leicht zu begehen, einzig die letzten fünf Meter zum Gipfel erfordern etwas Handeinsatz am griffigen Wettersteinkalk. Oben angekommen wartet ein herrlicher Ausblick über die zahlreichen Gipfel des Wendelsteinmassivs auf uns. Für einige Minuten lassen wir unsere Blicke über das Umland schweifen, ehe wir uns wieder auf den Weg machen.

Der felsige Gipfel der Lacherspitz liegt direkt vor uns.

Wohin des Weges?

Es ist kurz nach acht Uhr morgens, als wir uns wieder am grasigen Sattel zwischen Kesselwand (1721m) und Lacherspitz (1724m) einfinden. Von hier aus könnten wir nun theoretisch noch weiter nach Osten wandern und dabei die Seewand (1664m), das Wildalpjoch (1720m) und die Käserwand (1675m) besuchen. Wenn wir uns nach Westen wenden, wäre auch die Besteigung des Wendelstein (1838m) noch eine Option. Für heute haben wir aber genug.

Von links nach rechts: der Wendelstein, die Kesselwand und die Soinwand.

Wieselflinker Abstieg

Mit flinken Schritten jagen wir wieder ins Tal hinab. Dabei folgen wir im Großen und Ganzen unserer gestrigen Aufstiegsroute. Vom grasigen Sattel steigen wir zunächst hinab zur Wendelsteinalm (1420m) und passieren anschließend die Siglhütte (1321m) sowie das Bergcafé Siglhof (990m). Insgesamt sind für den Abstieg nach Bayrischzell über zweieinhalb Stunden zu veranschlagen, aber wir sind heute so flott unterwegs, dass wir gerade einmal eine Stunde und 45 Minuten dafür brauchen. Zufrieden schlendern wir zurück zu unserem Auto und gönnen uns dort erst einmal eine wohlverdiente Verschnaufpause!

StationenDistanzDifferenzZeit
Bayrischzell
→ Bergcafé Siglhof +1,8 km193 m ↑ 3 m ↓+0h 30m
→ Wendelsteinalm +2,4 km430 m ↑ 0 m ↓+1h 00m
→ Kesselwand ✝ +1,5 km301 m ↑ 0 m ↓+0h 50m
→ Soinwand ✝ +0,5 km 81 m ↑ 46 m ↓+0h 20m
→ Lacherspitz ✝ +0,9 km 49 m ↑ 81 m ↓+0h 20m
→ Bayrischzell +5,3 km 0 m ↑924 m ↓+1h 45m
Gesamt 12,4 km1054m ↑1054 m ↓4h 45m