Spaniens höchster Berg

Die Besteigung des Teide


14./15. August 2012 • Autoren: bra. & mop.


Übersicht

Dieser Bericht beschreibt die Besteigung des Pico del Teide. Zuerst fahren wir mit dem Bus zum Ausgangspunkt des Normalweges und dann wandern wir mit Übernachtung über das Refugio und die Gondelstation zum Gipfel. Dort genießen wir einen tollen Sonnenaufgang und lassen uns anschließend mit der Seilbahn wieder bequem nach unten transportieren.

Schwierigkeit: T3GPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 233

Einführung

Nach unserer Flucht vor dem Feuer wurde unsere Reise auf die Kanaren etwas durcheinander gewirbelt. Spontan entschieden wir uns daher, den Pico del Teide auf Teneriffa zu besteigen.

Per Bus in die Mondlandschaft

Die Busfahrt wurde auf der Hochebene des Teide (3718m) knapp über 2000 Meter Höhe kurz unterbrochen. Um uns lag eine beeindruckende Mondlandschaft, aus der skurrile Felsformationen herausragten. Direkt im Norden von uns erhebt sich nun der Gigant der Kanarischen Inseln. Beim Anblick des Riesen beschlich uns schon ein mulmiges Gefühl, da wir bisher nie in dieser Höhe unterwegs waren (geschweige denn mit 15 Kilogramm schweren Rucksäcken, die einem den Aufstieg versüßen). Aber als wir schließlich auf 2399 Meter Höhe bei strahlendem Sonnenschein und 30°C den Bus verließen und die euphorisierende Höhenluft geschnuppert hatten, konnte uns auch das Gewicht nicht mehr von der Besteigung abbringen. Gut 1300 Höhenmeter lagen vor uns.

Als wir den Bus verlassen ragt der Teide vor uns auf.

Unterwegs zum Refugio

Anfangs läuft der Weg auf einer kleinen Schotterstraße in langgezogenen Kurven auf der Ostseite des Berges entlang. Vor uns breitete sich eine wüstenähnliche Landschaft aus. Je höher wir kamen, desto mehr nahmen wir vom Umland wahr. Die trockenen und staubigen Dünen erinnerten uns eher an Afrika als an die Kanaren. Der Gipfel des Teide (3718m) ist hier nicht mehr zu sehen. Nach zirka eineinhalb Stunden endet die Forststraße, und es beginnt der eigentliche Wanderweg auf vulkanischem Gelände. Nach einer kurzen Pause in Anwesenheit unserer kleinen Echsenfreunde gehen wir in Serpentinen an der Ostflanke über rote, braune, graue und schwarze Gesteinsfelder nach oben. Interessanterweise machten uns die Mittagssonne und die schweren Rucksäcke nicht wirklich langsamer. So überholten wir weitere Wanderer und kamen nach weiteren eineinhalb Stunden glücklich am Refugio (3260m) an. Um nun die letzten 300 Höhenmeter bis zum Gipfel zurücklegen zu dürfen, benötigt jeder Gipfelanwärter ein „Visum“. Dieses muss man mindestens zwei Wochen vorher beantragen. Bis 9 Uhr kann man den Gipfel aber ohne Genehmigung besteigen. Also mussten wir übernachten.

Ankunft am belebten Refugio.

Das Refugio

Im Refugio (3260m) trafen wir weitere Kollegen, die allesamt dort übernachten und am Gipfel den nächsten Tag begrüßen wollten. Die Temperaturen waren mit der sich neigenden Sonne und der zunehmenden Höhe schon auf 17°C gefallen, und im Schatten der Hütte wehte bereits ein kühles Lüftchen. Da der Preis für eine Übernachtung im Refugio mit 24 Euro pro Person allerdings unverschämt hoch war und der Menschenandrang zu groß, ging es nach einer kleinen Siesta und unserem altbekannten „Wasserflaschen-Auffüllen“ („Kein Trinkwasser!“ – „Des macht mir nix! Wir haben ja Entkeimungsmittel!“) weiter, um weiter oben einen angemessenen Schlafplatz zu finden.

Ein kurzer Abstecher zur Seilbahnstation

Es geht über größere Steine einen nun befestigten kleinen Pfad entlang, der bis zu einem runden, mit einer kleinen Steinmauer umringten Aussichtspunkt führt. Hier kann man das erste Mal die Nordseite Teneriffas und den Atlantischen Ozean in seiner ganzen Pracht begutachten. Auch der Gipfel des Teide (3718m) erhebt sich nun kegelförmig vor uns. Hier entschlossen wir uns, im Schutz der Mauer unser Nachtlager aufzuschlagen. Nach einem kleinen Pläuschchen mit einem weiteren Wanderer gingen wir noch bis zur Seilbahnstation weiter, um eine Ahnung von der kommenden Herausforderung zu haben. Hier konnten wir auf die Hochebene des Teide blicken, von der wir mittags aufgebrochen waren. Selbst eine Gipfelbesteigung wäre nach 17 Uhr noch möglich gewesen, da das „Wachpersonal“ bereits mit der Seilbahn nach unten gefahren war.

Hinter einer Mauer schlagen wir unser Nachtlager auf.

Doch dann brach die Nacht herein

Die wirkliche Herausforderung kam jedoch mit der sich dem Horizont nähernden Sonne zu uns: Dunkelheit und Kälte krochen wie ein alptraumhaftes Wesen aus ihren Löchern und waren Vorboten der uns erwartenden schlimmsten Nacht in unserem Urlaub. Wenn man mit dem Ziel Wandern in Gomera bei durchschnittlichen 25 Grad anreist, ist man nicht wirklich für eine kalte Nacht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt gerüstet ... Die zwei Paar Socken, drei ärmellose Shirts, eine ärmellose Jacke und zwei kurze Hosen sind schnell angezogen. Und wirklich wärmer ist es danach auch nicht. Die letzten Sonnenstrahlen haben wir noch mit Begierde aufgesogen, da mussten wir auch schon schnell in den windgeschützten Bereich und verkrochen uns im Schlafsack. Nach einem ausgiebigen Abendessen (Drei-Gänge-Menü mit Nüssen, getrockneten Früchten und einem Riegel) wünschten wir uns eine gute Nacht und entschlummerten sanft und mit schönen Träumen.

Eine kalte Nacht

NEIN, so war es leider nicht! Wir bibberten und merkten schnell, dass die Schlafsäcke nicht so warm waren, wie wir das gerne hätten. Mittlerweile waren auch die Wanderschuhe angezogen, das Handtuch um die Hüfte gewickelt und der Schlafsackbeutel um ein Bein gewickelt. Trotzdem wurde es nicht wirklich wärmer. Wir froren die ganze Nacht und der Schlaf kam nicht über uns. Hier bemerkten wir das erste Mal die Höhe: Wenn man sich ganz in den Schlafsack zurückzog, bekam man nicht mehr genug Luft zum atmen. Das Gesicht musste also frei sein. Aber es gab auch schöne Seiten: Die Siedlungen im Norden waren sehr gut zu sehen und auch die Sterne funkelten auf 3400 Meter Höhe noch klarer und glänzender als die Nächte zuvor. Ganz bitter war es allerdings für ein Mitglied, welches schließlich noch seine Blase entleeren musste. Aus dem „warmen“ Schlafsack heraus, sich voll dem heftigen und eiskalten Wind aussetzen und erst noch einen angemessenen Abladeplatz finden ... aber auch diese Nacht kam zu einem Ende. Der seit sechs Stunden erwartete Weckruf erlöste uns von unseren Qualen.

Die sternenklare Nacht ist leider auch verdammt kalt...

Vorbereitung für den finalen Aufstieg

Endlich war die Nacht bald vorbei und ein neuer heißer Tag würde folgen. Aber zuerst mussten wir den Gipfel besteigen. Die Überwindung, den Schlafplatz zu verlassen, war groß. Wir sahen bereits die ersten Frühaufsteher mit Taschenlampen an uns vorbeiziehen, trotzdem blieben wir fast noch eine Stunde liegen und überlegten uns Schlachtpläne für den Aufstieg („kann ma da ned irgendwie im Schlafsack hoch?“ – „Ja scho, wenn dich wer trägt. Des hab ich aber ned vor!“). Aber durchs Warten wird’s nicht leichter. Somit rafften wir uns auf. Doch zuerst mussten wir noch den Schlafsack und Isomatte einpacken während uns der Wind um die Ohren pfiff. Da auch keine warme Kopfbedeckung in der Nähe war, musste improvisiert werden: Ein Stoffbeutel am Kopf mit der Stirnlampe fixiert ist fast genauso effektiv wie eine Mütze!

Der Gipfelsturm

Pico del Teide
InselTeneriffa
Höhe3718 m
Dominanz893,6 km → Ouanoukrim
Koordinaten28°16′20″N, 16°38′33″E
KarteKompass 233: D4

Die Kälte trieb uns mit hoher Geschwindigkeit die restlichen 300 Höhenmeter auf Serpentinen zum Gipfel des Teide (3718m) empor. Dieser ist sehr ausgesetzt und bietet für Besucher wenig Raum (wohl ein Grund für die Visumpflicht). Hier versammelten sich nun alle frühen Vögel und warteten auf den neuen Tag. Das erfrorenste Mitglied des OC packte nochmal den Schlafsack aus, um sich in einer Felsspalte in diesen zu verkriechen. Von einer Besucherin wurde er daraufhin liebenswert „Lavawurm“ getauft. Es dauerte noch eine weitere Stunde, bis die Sonne aufging. Der Sonnenaufgang war jedoch das Leiden wert. Während man einen Rundumblick um das noch im Schlaf liegende Teneriffa genießt (und auf der Ostseite einen kleinen Waldbrand begutachten konnte), erhebt sich die Sonne und taucht den Pico del Teide in gleißendes Licht. Ein Gipfelkreuz suchten wir jedoch vergeblich. Für unser Gipfelfoto setzten wir uns einfach auf den anscheinend höchsten Fels und verschwinden danach schnell, um nicht dem starken Wind ausgesetzt zu sein. Von der Gondelbahn aus gehen wir noch einen kurzen Abschnitt nach Westen, um den Pico Viejo (3135m) mit seinem großen Krater zu begutachten. Hier im Westen wirft der Pico immer noch einen sehr langen kegelförmigen Schatten, der einen großen Teil der Insel ins Dunkel taucht.

Der Gipfel des Teide bei Sonnenaufgang.

Die Rückkehr ins Tal

Danach geht es mit der Seilbahn zur Hochebene (ein Abstieg war uns nach dieser Nacht doch zu anstrengend) und per Anhalter zurück nach Los Christianos. Hier verbrachten wir einen schönen warmen Tag am Strand und waren ausnahmsweise froh über unser Hotelzimmer.

StationenDistanzDifferenzZeit
Talstation Teleférico
→ Refugio de Altavista +4,6 km920 m ↑59 m ↓+2h 55m
→ Pico del Teide ✝ +2,2 km459 m ↑1 m ↓+1h 35m
→ Bergstation Teleférico +0,4 km7 m ↑170 m ↓+0h 20m
Gesamt 7,2 km1386 m ↑230 m ↓5h 25m