Durch die Südwand des Niederkaisers

Über den Maiklsteig auf Gscheuerkopf & Schatterberg


04. Oktober 2013 • Autor: brm.


Übersicht

In den kommenden Zeilen berichten wir von unserer Wanderung im Niederkaiser über die Gipfel Gscheuerkopf und Schatterberg. Wir starten von St. Johann in Tirol aus über den Maiklsteig. Oben wandern wir erst zum Gscheuerkopf und anschließend zum Schatterberg. Über die Gmailkapelle und das Gmailköpfl geht es anschließend wieder zum Ausgangspunkt.

Schwierigkeit: T3GPS-Route: DownloadWanderkarte: Kompass 9

Wie erfährt man vom Maiklsteig?

Eigentlich sind wir zum Mountainbiken nach St. Johann in Tirol (659m) im Schatten des Niederkaiser gekommen. An diesem Abend aber – wir kamen eben von einer langen Radtour zurück – sitzen wir bei flackerndem Kerzenlicht über unsere Wanderkarten gebeugt in unserem kleinen Halbpensionszimmer und erkennen einen unauffälligen Steig, der etwas westlich von uns von der Straße abzweigt: der Maiklsteig (auch Meiklsteig). Die steile Wand nördlich unserer Unterkunft war uns schon bei der Anfahrt aufgefallen, aber außer mit geeigneten Kletterkünsten wäre uns nie in den Sinn gekommen, dass ein Durchstieg möglich wäre. Der Maiklsteig soll diese Möglichkeit aber bieten. Wir werfen unsere Planungen für den nächsten Tag also über den Haufen und nehmen uns eine interessante Tour vor. Laut einschlägigen Erfahrungsberichten im Internet soll die Tour kaum länger als einen halben Tag dauern.

Frühes Frühstück vor einem langen Tag

Am folgenden Tag stehen wir früh auf, schnüren unsere Wanderschuhe und gehen in den Frühstückssaal. Die nette Gastgeberin ist nach Absprache extra für uns aufgestanden und bringt uns unser Frühstück. Wir besprechen mit ihr unsere Tagesplanung, bekommen ihren Segen und freuen uns auf eine tolle Tour.

Weg Richtung Einstieg

Nach dem Frühstück geht es pünktlich um halb neun los. Von St. Johann folgen wir dem Maurerbach bis zum Wanderparkplatz. Der Maiklsteig ist ab hier angeschrieben. Wir biegen also rechts von der Straße ab, die aufgehende Sonne im Rücken, die Steilwand des Niederkaiser vor der Brust und den leichten Nordwind im Genick. Noch ist der Weg nicht steil, aber bereits sehr schmal. Die Gräser am Wegesrand kitzeln uns an den Beinen. Nach wenigen Minuten passieren wir die Abzweigung Richtung Einsiedelei. Bereits bei der Planung am Tag zuvor ist uns aufgefallen, dass wir dort beim Abstieg noch vorbeikommen werden. Ab hier wird der Weg steiler und serpentinenlastiger. Immer öfter fällt uns dabei durch die Bäume die Steilwand ins Auge.

Seltsam platzierte Eisen im Fels

Als wir diese schließlich erreichen, gönnen wir uns auf einer kleinen Bank eine kurze Rast. Eine rasante Wandererin schießt an uns vorbei. Mehr als ein „Griaß eich“ ist da nicht drin. Nach der Pause folgen wir weiter dem Weg, der vorerst in westlicher Richtung an der Wand entlang führt. Leichter Nieselregen setzt ein. Wenige Schritte später erreichen wir den Einstieg zur Felswand. Über in die Wand eingelassene Eisen geht es nach oben auf eine Felsnase. Da der erdige Boden aber nur zirka 35 Zentimeter unterhalb der Eisen bereits beginnt, hält sich der Nervenkitzel in Grenzen. Dennoch: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringen.

Der Einstieg in den Maiklsteig läuft über Eisentritte.

Das Tagesziel ist erreicht

Gscheuerkopf
LandÖsterreich
GebirgeKaisergebirge
KammZahmer Kaiser
Höhe1280 m
Koordinaten47°32′45″N, 12°23′45″E

Nach diesem leichten Beginn folgt ein toller Ausblick ins Tal und auf das Kitzbühler Horn (1996m). Wir genießen kurz. Die Hälfte der Steilwand haben wir geschafft. Nun geht es über Leitern weiter bis nach oben. Trittsicherheit ist weiterhin gefragt, schwer ist die Besteigung aber nicht. Spaß haben wir dennoch. Als wir oben angekommen sind, finden wir uns im Wald wieder, der oberhalb der Steilwand einsetzt. Der Gscheuerkopf (1280m), unser Gipfelziel, ist angeschrieben. Wir biegen links ab auf den Wilden-Kaiser-Steig. Anfangs geht es bergab und wir fragen uns, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Gerade als wir kehrt machen wollen, beginnt das Gelände anzusteigen. Zum Ende hin wird es richtig steil und Treppen führen uns nach oben. Am Ende steht vor uns ein mickriges Schild – ein Gipfelkreuz gibt es nicht: der Gscheuerkopf. Hier bietet sich uns ein toller Blick auf die Gipfel des Wilden Kaiser: Maukspitze (2231m), Lärcheck (2123m) und Ackerlspitze (2329m). Aufgrund des Windes und des Regens, der uns im Wald nicht so bewusst war, machen wir dennoch schnell kehrt.

Der Blick auf die Maukspitze im Wilden Kaiser.

Ein zweiter Gipfel

Bis zum Maiklsteig ist der Rückweg derselbe. Dort aber gehen wir geradeaus Richtung Osten weiter. Wir kommen am Ursulablick vorbei, einem Aussichtspunkt mit Gedenkkreuz. Dort rasten wir kurz und genießen die Weitsicht: Im Tal liegt St. Johann (659m) – auch unsere Pension erkennen wir – dahinter erhebt sich imposant das Kitzbühler Horn (1996m). Ein toller Ausblick!

Schatterberg
LandÖsterreich
GebirgeKaisergebirge
KammZahmer Kaiser
Höhe1274 m
Koordinaten47°32′42″N, 12°24′37″E

Kurz darauf ziehen wir weiter und überqueren nach einer tiefen Senke den Schatterberg (1274m) – kein Kreuz deutet noch auf diesen Gipfel hin, einzig zwei Bänke weisen auf das Gipfelplateau. Wir halten uns aber gar nicht lange auf und marschieren gleich weiter.

Die Felsenkapelle

Knapp eine Stunde nach Aufbruch vom Gscheuerkopf (1280m) – zwischenzeitlich stiegen wir an einer machbaren seilversicherten Stelle wieder durch die Wand ab – treffen wir auf die Gmailkapelle (aufgestellt von einem der mächtigsten Internetkonzerne der Welt... nein, natürlich nicht). Diese Kapelle wurde 1782 in eine Felshöhle erbaut und ist eine beliebte Wallfahrtskirche. Wir pausieren kurz.

Einsiedelei und Tourende

Nach der Stärkung folgen wir dem Pfad weiter, der jetzt merklich abfällt. Zwischendurch nehmen wir noch eine kleine Erhebung mit: das Gmailköpfl (917m, mit Schützenkreuz), das sich auf einem kleinen Stein abseits des Weges befindet. Danach folgen wir zahlreichen Treppen abwärts und kommen schließlich zur erwähnten Einsiedelei, ein altes abgelegenes, aber gepflegtes Gebäude. Ob hier noch jemand wohnt, wissen wir nicht, dem Zustand des Gebäudes nach zu urteilen aber schon. Von hier könnten wir wieder Richtung Maiklsteig spazieren, wenden uns aber stattdessen dem Kreuzweg zu und steigen diesen hinab. Unten angekommen, folgen wir wieder der Straße bis zum Heimatort St. Johann. Inzwischen ist es Nachmittag, die Sonne hat die Regenwolken verdrängt und einer kurzen Radtour steht nichts mehr im Wege. Daher treibt es uns nachmittags mit dem Rad Richtung Kitzbühler Horn (1996m). Dies ist aber eine andere Geschichte.

Ein Blick zurück auf die beeindruckende Wand des Niederkaisers.

Zusammenfassung

Der Maiklsteig ist eine tolle Tour für zwischendurch. Die Südwand des Niederkaisers ist für ungeübte Kletterer anders kaum zu durchsteigen. Und auch so mancher Aussichtspunkt auf dem bekannten Wilder-Kaiser-Steig lohnt sich sehr. Allzu viele Leute sind ebenfalls nicht unterwegs. Außerdem dauert die Tour nur knapp vier Stunden.

StationenDistanzDifferenzZeit
St. Johann in Tirol
→ Gscheuerkopf ✝ +2,4 km607 m ↑27 m ↓+1h 25m
→ Schatterberg ✝ +1,4 km127 m ↑133 m ↓+0h 25m
→ Gmailkapelle +1,1 km31 m ↑384 m ↓+0h 35m
→ St. Johann in Tirol +1,8 km33 m ↑254 m ↓+1h 45m
Gesamt 6,7 km798 m ↑798 m ↓4h 10m