Der Vulkan Ätna auf Sizilien.

Ein brodelndes Vergnügen

Die Besteigung des Ätna


15. Juli 2018 • Autor: bra.


Übersicht

Dieser Bericht behandelt die Besteigung des Ätna auf Sizilien. Unsere Wanderung zum höchsten aktiven Vulkan Europas beginnt am Rifugio Sapienza und führt uns über die Bergstation La Montagnalo und den Torre del Filosofo hinauf zum eindrucksvollen Gipfel. Nach einer langen Pause am Kraterrand zwingen uns die beißenden Schwefelschwaden langsam wieder zum Abstieg. Dieser führt uns über dieselbe Route wieder hinab zum Parkplatz.

Schwierigkeit: T2GPS-Route: Download

Sizilianisches Abenteuer

Für unseren Kurzaufenthalt auf Sizilien habe ich mir die Besteigung des Ätna (~3329m) vorgenommen. Als um 05:45 Uhr die Sonne am Horizont die Meeresoberfläche berührt, kann ich vom Strand in Catania bereits das Ziel des heutigen Abenteuers begutachten. Die einstündige Anfahrt zum höchsten aktiven Vulkan Europas ist abwechslungsreich und bietet viele Möglichkeiten, frühere Lavaergüsse des Ätna aus der Ferne zu begutachten. Das Wetter ist sonnig und wolkenlos.

Der Blick auf den Ätna vom Strand in Catania.

Vom Strand in Catania habe ich mein Tagesziel, den Ätna, bereits fest im Blick!

Reise durch die Kraterlandschaft

Am Rifugio Sapienza (1910m) angekommen geht hinter der Talstation der Seilbahn Funivia dell’Etna (1923m) ein einfacher breiter Weg nach oben, den ebenso die robusten Reisebusse nehmen. Gegen 10:00 Uhr geht es los. Da der Berg aktuell schneefrei ist, lassen sich einige Abkürzungen nehmen, so dass der Aufstieg direkt neben der Seilbahn entlangführt. Beim Blick zurück kann ich bereits mehrere ältere Krater ausmachen, die von früheren Eruptionen herrühren, wie zum Beispiel den Monti Calcarazzi o Corvo, den Crati Silvestri Superiori und den Crati Silvestri Inferiori. Dies sollten jedoch nicht die einzigen Krater bleiben...

Die Kraterlandschaft am Ätna.

Beeindruckende Krater künden von einstigen Eruptionen.

Ein Ort der Begegnungen

Nach etwa 60 Minuten – ich bin mittlerweile fast am oberen Ende der Seilbahn angelangt – komme ich an einer kleinen Gruppe Russisch sprechender Wanderer vorbei. Nachdem ich sie grüße, kommen wir ins Gespräch. Sie sind aus der Ukraine und wollen ebenfalls ein bisschen wandern, wobei eine Gipfelbesteigung jedoch nicht vorgesehen ist. Von nun an gehen wir gemeinsam weiter.

Bildergalerie: Ätna

Nach einer kurzen Pause an der Bergstation La Montagnola (2504m), die einen schönen Blick auf den Gipfel des Ätna (~3329m) bietet, folgen wir der Piste aus schwarzem Vulkangestein weiter nach oben. Anfangs wimmelt es noch von Touristen und Touristenbussen. Nach einer Weile werden die Menschenansammlungen jedoch geringer. Wirkliche Wanderer finden sich nicht viele am Ätna...

Vulkangestein am Ätna.

Über eine breite Piste aus schwarzem Vulkangestein steige ich dem rauchenden Gipfel entgegen.

Aufstieg zum Torre del Filosofo

Zur Rechten kommt bald der Krater des Montagnola zum Vorschein, den wir jedoch aufgrund der Zeitkompression rechts liegen lassen. Wir widmen uns stattdessen zunächst den beiden Kratern linkerhand der breiten Piste: dem Crateri Barbagallo und dem Coni Eruzione 2003. Diese umrunden wir zunächst linkerhand, ehe wir über den Grat zwischen den beiden Kratern hinaufsteigen. Ein kurzes, aber steiles Vergnügen! Oben angekommen umrunden wir beide Krater und schießen einige Gruppenfotos. In der Ferne ist Catania und die sizilianische Küstenlinie zu erkennen.

Der Krater unterhalb des Torre del Filosofo am Ätna.

Unterhalb des Torre del Filosofo gibt es noch mehr imposante Krater zu bestaunen.

Der Gipfel des Ätna (~3329m) ist nun spürbar näher gerückt und man kann deutlich die Rauchbildung als auch die ersten Menschen auf dem Gipfel sehen. Näher gerückt sind uns jedoch leider auch wieder die Touristen, die direkt zum Torre del Filosofo (2920m) oberhalb der Krater gefahren werden.

Führer

Jenseits der Krater führt die Piste hinauf zum Gipfel des Ätna (~3329m). Schilder und eine Absperrung – es ist lediglich ein einfaches Seil – verweisen darauf, dass ein Weitergehen ohne Führer nicht erlaubt ist. Wer sich nicht daran hält, kann im schlimmsten Fall zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe verurteilt werden.

»Wie hoch ist der Ätna wirklich?«:

Da es sich beim Ätna um einen aktiven Vulkan handelt, lässt sich seine Höhe nicht eindeutig bestimmen. Die Lage des Gipfels variert je nach Aktivität und befindet sich normalerweise irgendwo zwischen 3200 und 3350 Metern.

Unsere Gruppe teilt sich auf. Mehrere Mitglieder gehen wieder zurück, um die letzte Seilbahn um 16 Uhr sowie im Anschluss den letzten Bus zu erreichen. Nur mein Freund aus der Westukraine hält mir mit seinen offenen Sandalen die Treue und lässt sich auf das Gipfelabenteuer ein. Nun steigt der Puls...

Feines Geröll

Es geht die Piste entlang, bis der Gipfel des Ätna (~3329m) sowie sein kleiner Bruder, der Cratere di Sud-Est, rechts neben uns liegen. Der Aufstieg an der Südflanke ist bereits zu sehen, ebenso wie die geführten Gruppen, die absteigen. Unser Weg löst sich jetzt von der Piste und führt querfeldein nach oben. Es geht gerade auf den steil ansteigenden Gipfel zu. Auch wenn nur eine geringe Anzahl an Höhenmetern zurückgelegt werden muss, zieht sich dieser Abschnitt, da aufgrund des feinen Gerölls auf zwei Schritte nach oben eineinhalb ungewollte Schritte nach unten folgen.

Die letzten Meter zum Gipfelkrater des Ätna.

Feines Geröll erschwert den Schlussanstieg.

Ein einzigartiges Gipfelerlebnis

Ätna
AliasEtna | Mongibello
LandItalien
InselSizilien
Höhe~3329 m
Koordinaten37°45′04″N, 14°59′45″E

Aber nach 45 Minuten ist auch diese Hürde überwunden, und wir genießen vom Gipfel des Ätna (~3329m) die Aussicht auf den Torre del Filosofo, die Bergstation La Montagnola, und natürlich auf den Krater direkt neben uns, aus dem grau-weißer Dampf aufsteigt. Obwohl uns der beißende Nebel in den Augen brennt, haben wir genug Zeit, um ein paar Fotos zu schießen und dem Gipfelglück zu fröhnen. Der Gipfel ist gelb-grünlich und riecht erwartungsgemäß nach Schwefel. Aus dem Inneren bahnen sich die stinkenden Schwaden aus verschiedenen Gesteinsöffnungen den Weg an die Oberfläche. Mein Rucksack und meine Kamera haben sofort grüne Abfärbungen, sobald ich sie auf den Boden stelle, und die Erde sinkt bei jedem meiner Schritte ein paar Zentimeter ein, da der Untergrund sehr weich ist. Gut, dass eindeutige Wege aufgrund der geführten Touren zu erkennen sind!

Schwefelschwaden am Gipfel des Ätna.

Schwefelschwaden steigen aus dem eindrucksvollen Gipfelkrater empor.

Rasanter Ritt ins Tal

Allzu lange können wir das Spektakel aber leider nicht genießen. Es weht ein sehr starker und kühler Wind, der regelmäßig die beißenden Schwefelschwaden in meine Richtung treibt. Die Augen tränen und die Lunge schmerzt! Schließlich treten wir den Abstieg an. Hier können wir unsere Geschwindigkeit kaum bremsen und springen förmlich dem Tal entgegen. Nachdem das steilste Stück geschafft ist, muss ich zunächst meine Socken und Schuhe vom feinen Vulkangestein erlösen, das sich im Laufe des Nach-unten-Springens angesammelt hat. Danach geht es im Lauftempo zurück zu meinem Mietwagen.

Die kargen Hänge des Ätna.

Im Laufschritt jagen wir durch die karge Landschaft wieder talwärts.

Ein Blick zurück

Alles in allem war es eine lange und von der Ausdauer her anspruchsvolle Tour, die jedoch technisch nicht schwer ist. Obwohl die Besteigung des Ätna (~3329m) vergleichsweise einfach erscheint, kommt man aus gesetzlichen Gründen um einen Führer nicht herum. Wer die Wege auf eigene Faust erkundet, muss im besten Fall mit einem Bußgeld, im schlechtesten Fall mit einer Freiheitsstrafe – oder einem Bad in der Lava – rechnen. Dementsprechend empfiehlt es sich für alle Gipfel-Aspiranten, sich frühzeitig um einen Führer zu kümmern. Dabei sind mit Kosten um die 100 Euro zu rechnen.

StationenDistanzDifferenzZeit
Rifugio Sapienza
→ Bergstation La Montagnola +2,2 km594 m ↑ 0 m ↓+1h 15m
→ Torre del Filosofo +3,0 km416 m ↑ 0 m ↓+1h 30m
→ Ätna ✝ +2,4 km409 m ↑ 0 m ↓+2h 00m
→ Rifugio Sapienza +6,9 km0 m ↑1419 m ↓+2h 00m
Gesamt 14,5 km1419 m ↑1419 m ↓6h 45m