Everest

Filmkritik


25. September 2015 • Autor: brm.


In monumentalen Bildern inszeniert

Langsam schiebt sich die Schlange hinauf über den Khumbu-Eisbruch. Es sind Bergsteiger auf dem Weg zum Mount Everest (8848m). Die Kamera wandert weiter: Spitze Zacken erscheinen, ein Kamm ist erreicht. Das Bild breitet sich aus, der Gipfel kommt zum Vorschein. Ein Schriftzug in weißen Lettern erscheint auf der Leinwand: Everest – der Titel des Films. Es ist ein Intro, das allein schon zu begeistern weiß.

Es sind eben diese Bilder und Kamerafahrten, die den Film Everest so pompös gestalten. Regisseur Baltasar Kormákur hat damit die Geschichte um die acht Bergsteiger, die 1996 am Mount Everest (8848m) den Tod fanden, spektakulär ausgestaltet. Neben der spannenden Handlung, die auf verschiedenen Büchern um das Unglück beruht – unter anderem In eisigen Höhen von Jon Krakauer und Der Gipfel von Anatoli Bukrejew – beeindrucken tolle Landschaftsaufnahmen und Bilder, die den Zuschauer mitunter tatsächlich frösteln lassen und für mehr Immersion sorgen, als die doch eher durchschnittlichen 3D-Effekte.

Das 121-minütige Drama selbst wird geradlinig und faktenbasiert heruntergezählt. Viel dazuerfinden musste Kormákur nicht – die Katastrophe bietet selbst genug Dramatik.

Doch genau hier liegt auch ein Schwachpunkt des Films: Durch die faktenbasierte Erzählweise werden Schuldzuweisungen komplett vermieden: Bergführer Rob Hall (Jason Clarke) wird trotz seiner mitunter fatalen Entscheidungen als tragischer Held dargestellt. Ebenso hat man als Zuschauer Mühe, die einzelnen Protagonisten noch zuzuordnen, nachdem diese am Berg angekommen und in ihre dicken Winterklamotten eingehüllt sind. Außerdem verpasst es Kormákur, trotz einer langen Anlaufphase, die Bergsteiger dem Zuschauer wirklich bekannt zu machen. Geschuldet ist dies der großen Anzahl an Figuren, obwohl Kormákur andere Expeditionen, die ebenfalls am selben Tag auf den Berg wollen, in der letzten Filmhälfte sogar komplett außen vor lässt. Dies ist zwar schade, war aber der Übersichtlichkeit halber wohl notwendig.

Co-Produzent und Berater am Set des Films ist David Breashears, der nach der Katastrophe 1996 an den Rettungsarbeiten beteiligt war und ebenfalls Regisseur sowie Bergsteiger ist. Er stand selbst mehrmals am Mount Everest (8848m) – unter anderem war er der erste Amerikaner, der zweimal den Gipfel erreichte – und ist noch heute Filmemacher und Abenteurer.

Nicht nur für Bergliebhaber sehenswert

Trotz seiner Schwächen unterhält der Film aber bestens und ist nicht nur für Bergliebhaber sehenswert. Die hochkarätige Besetzung mit Jason Clarke, Josh Brolin, Keira Knightley, Sam Worthington und Jake Gyllenhaal führt mit tollen schauspielerischen Leistungen durch einen bildgewaltigen und auch dramatischen Film.

Titel: Everest • Spielzeit: 121 Minuten • Freigabe: ab 12 Jahren • Release: 2015